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Von der Fremd- zur Eigenbezeichnung



Zu Annemarie Webers Buch „Rumäniendeutsche? Diskurs zur Gruppenidentität einer Minderheit“ / Von Hannelore Baier

 

„Rumäniendeutsche Literatur“ und „Rumäniendeutsche“. Die Begriffe sind im Umlauf. Seit wann? Wie entstanden diese Konstrukte bzw. inwieweit gibt es eine Identifizierung damit? Der Entstehung und Entwicklung der Bezeichnungen und dabei dem Wandel von der Fremd- zur Eigenbezeichnung geht Annemarie Weber in einer umfassenden Analyse nach, die unter dem Titel „Rumäniendeutsche? Diskurse zur Gruppenidentität einer Minderheit (1944 – 1971)“ kürzlich im Böhlau-Verlag erschienen ist. Es ist die überarbeitete Fassung ihrer Dissertation, die an der Universität Duisburg-Essen verteidigt wurde.

 

Am Freitagnachmittag stellte Dr. Weber ihre im Buch zusammengefassten Forschungsergebnisse im Erasmus-Büchercafé in Hermannstadt/Sibiu einem zahlreichen Publikum vor. Annemarie Weber war Kulturredakteurin der „Hermannstädter Zeitung“ und der „Karpatenrundschau“ und ist seit August 2008 die Geschäftsführerin des Siebenbürgen-Instituts der Universität Heidelberg in Gundelsheim.

 

Neu im Buch von Annemarie Weber ist die Herangehensweise an die gestellte Problematik. Als Methode wird die Diskursanalyse im Sinne Michel Foucaults genutzt, derzufolge der Diskurs Dinge, von denen er spricht, erzeugt. Wann erfand sich die rumäniendeutsche Literatur, wollte Annemarie Weber also wissen. Und: artikuliert dieser Begriff eine bestimmte nationale Identität?

 

Die Antworten suchte sie in den deutschsprachigen Publikationen, die in der Nachkriegszeit in Rumänien erschienen sind. Systematisch analysiert hat sie die Tageszeitung „Neuer Weg“ der Jahre 1949 bis 1971, in die Untersuchung aber wurden auch mehrere deutschsprachige Zeitungen der unmittelbaren Nachkriegszeit eingeschlossen und zwar die in Hermannstadt erscheinenden „Kirchlichen Blätter“ sowie die beiden im Banat gedruckten sozialdemokratischen Zeitungen „Freiheit“ und „Temesvarer Zeitung“.

 

Diese, sowie Referenztexte insbesondere aus der „Neuen Literatur“ untersuchte sie um Aufschluss zu erhalten über die Identitätsdiskurse vor und nach der kommunistischen Gleichschaltung. Die Geschichte der Rumäniendeutschen und die rumäniendeutsche Literatur werden also nicht als kontinuierlicher historischer Prozess betrachtet beziehungsweise als Korpus von Büchern, sondern als Produkte eines Diskurses. Als chronologische Obergrenze wählte Weber in ihrer Arbeit das Jahr 1971, „als die rumäniendeutsche Literatur sich als Beschreibungskonzept im öffentlichen Diskurs durchgesetzt hatte“ (S.14).

 

Die Begriffe „Deutsche in Rumänien“ und „rumäniendeutsch“ wurden in den 1930er Jahren in Deutschland als Fremdbezeichnung für die in Rumänien lebenden deutschsprachigen Siedlergruppen verwendet – aber auch in den politischen Postulaten u.a. des „Verbandes der Deutschen im Königreich Rumänien“. „Rumäniendeutschtum“ sowie „ge-samtrumänisches Deutschtum“ als Sammelbegrif- fe verwendete erstmals Karl Kurt Klein in der 1939 erschienenen „Literaturgeschichte des Deutschtums im Ausland“.

 

In der Einleitung geht die Autorin auf die Auseinandersetzung mit dem Begriff „rumäniendeutsche Literatur“ in deren Literaturgeschichtsschreibung ein. In den Schlussfolgerungen lautet das Fazit: „Die rumäniendeutsche Literatur wurde vom Literaturhistoriker Heinz St²nescu für die Eingrenzung eines literaturhistorischen Korpus konstruiert. Die Rumäniendeutschen (als Synonym für die deutsche Nationalität Rumäniens) waren in diesem Konstrukt die Träger dieser Literatur.“

 

Das Konzept sei jahrelang ignoriert worden, bis ein junger Essayist (Gerhard Csejka) es aus seiner „mehrfachen Vergangenheitsbehaftung befreite“ und „mit positiven und zukunftsweisenden Merkmalen ausstattete (…)“ (S. 312). Was die Literatur schaffte, gelang deren Träger jedoch nicht: „Die Rumäniendeutschen werden in dieser Zeit diskutorisch nicht weiterentwickelt,“ so Weber.

 

Wie der Diskurs sich in der Nachkriegszeit und sodann in der Zeit des sozialistischen Realismus konstruierte, illustriert Annemarie Weber ausführlich anhand der zahlreichen Beispiele aus den Printmedien, wobei sie Nation und Klassenkampf, Internationalismus und Restitution, die Verbrüderung mit aller Gewalt und die Aufwertung der Deutschen durch Ceausescu (1965-1971) in einzelnen Kapiteln behandelt. Ein Anhang gibt Aufschluss über alle deutschen Printmedien in Rumänien von August 1944 bis zum Jahr 2009.

 

Annemarie Weber: Rumäniendeutsche? Diskurse zur Gruppenidentität einer Minderheit (1944-1971), Böhlau Verlag 2010 (Studia Transylvanica 40), ISBN 978-3-412-20538-6.

 

aus der ADZ vom 30.07.2010

 

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Bärenflüsterer und Märchenprinz



Werner Schmitz am 14.05.2010 im ERASMUS

Journalist Werner Schmitz stellt zwei in Siebenbürgen spielende Bücher vor

 

Werner Schmitz wirkt authentisch, bodenständig und mit einem guten Schuss Humor gesegnet – genau wie seine Protagonisten. Der aus einer Bochumer Arbeiterfamilie Stammende hat die Schule nach der zehnten Klasse verlassen, sich als Beamter verdingt und schließlich begonnen zu schreiben. Erst als Krimiautor, später als Journalist beim deutschen Nachrichtenmagazin „Der Stern“.

 

Nach sechs Jahren ohne Buchveröffentlichung kommt Schmitz nun gleich mit zwei Werken heraus – dem Krimi „Das Karpaten-Projekt“ und den Lebenserinnerungen „Mit der Sonne steh´ ich auf“ der Bäuerin Sara Dootz aus Deutsch-Weißkirch/Viscri. Beide Bücher stellte Schmitz am vergangenen Freitag im Hermannstädter Büchercafé Erasmus vor, im Rahmen einer Präsentationsreise durch Siebenbürgen. An seinem fünften Krimiprojekt arbeitete Schmitz fast sechs Jahre. „Ich wollte gründlich recherchieren, wissen, wie der Sachse tickt, wie der Zigeuner denkt...“, meinte der Autor.

 

Nicht nur Mentalitäten, auch jede Menge geschichtliche Fakten über Siebenbürgen und seine Bewohner hat Schmitz für die – wohl mehrheitlich deutsche – Leserschaft in seine Geschichte eingewoben. Diese erzählt von dem Journalisten Hannes Schreiber, Parallelen zu Schmitz sind deutlich zu erkennen, der im Burzenland über den „Bärenflüsterer“ Teddy recherchieren soll und dabei in den Mord am Kronstädter Forstamstdirektor Ion Hulano verwickelt wird.

 

Auf der Jagd nach dem Mörder lernt Schreiber die junge Wildbiologin Katharina kennen, die sich des Problems der Kronstädter Müllbären angenommen hat. Schmitz thematisiert sächsische Befindlichkeiten – „Nach Rumänien zurückgehen, wie kannst du uns das antun?“, lässt er den Vater der gebürtigen Sächsin Katharina sagen, und postkommunistische Traumata. Ein solcher Konflikt bringt den alternden Schreiber schließlich auf die Spur des Mörders. In der Zwischenzeit kommentiert er die Geschehnisse in einer saloppen, manchmal anzüglichen Art, mit der er nicht nur Katharinas Herz, sondern auch das ihrer Großmutter erobert.

 

Die Vorlage für Oma Orend fand Schmitz in Deutsch-Weißkirch. „Wir haben beim ersten Treffen fünf Stunden vor der Sommerküche gesessen“, erinnert er sich an die erste Begegnung mit Burghüterin Sara Dootz, der damals noch auf der Suche nach einer Nebenfigur für seinen Roman war. Nach dem Gespräch sei er mit dem Gefühl davon gefahren, dass Dootz nicht nur eine Nebenfigur im Roman sein kann. Aus der Idee wurde schließlich die Lebensgeschichte einer sächsischen Bäuerin, die es mittlerweile zu internationaler Bekanntheit gebracht hat.

 

„Ich finde die Geschichte so gut, weil es keine Trauergeschichte ist“, erklärte Schmitz. Er betont, dass er in diesem Fall nur aufgeschrieben habe. Ansonsten lässt er Dootz als Ich-Erzählerin ihr Leben Revue passieren, ein Leben, das reich an Entbehrungen und Erfahrungen gewesen sei, unter anderem mit dem Verlust des Vaters oder zweier Ehemänner. Einer der Höhepunkte ihres Lebens und auch des Buches sind die Passagen über den englischen Thronfolger Prinz Charles.

 

Die Begegnungen mit Ihrer Hoheit beschreibt die Bäuerin Dootz mit einer so entwaffnenden naiven Ehrlichkeit, dass der Leser zugleich schmunzeln muss und gerührt ist. „Gibt es eine schönere Belohnung am Ende eines Lebens, als wenn einen ein Prinz küsst?“, fragte Schmitz in die Runde der zwanzig Zuhörer. Die von den Medien europaweit aufgegriffene Episode ist für Schmitz die Belohnung für einen bis heute bewahrten Lebensmut, ein sehr persönlicher Brief des Prinzen an Familie Fernolend die Belohnung des Lesers am Ende des Buches.

 

Das 258-seitige „Das Karpaten-Projekt“ (ISBN:978-3894253714) ist als Taschenbuch im Grafit-Verlag erschienen. „Mit der Sonne steh´ ich auf“ (ISBN: 978-3784350813) wurde vom Landwirtschaftsverlag herausgebracht. Das 156-seitige Werk kann für 62 Lei, der Krimi für 40 Lei im Büchercafé Erasmus erworben werden.

 

Holger Wermke, ADZ vom 19.05.2010

 

Zur Lesung von Dr. Robert Offner in Kronstadt am 20.04.2010



aus der ADZ vom 23.04.2010

Medizingeschichte dreisprachig



Zur Buchvorstellung von „Die Gesundheit ist ein köstlich Ding“ am 17.04.2010 im Büchercafe ERASMUS

 

Zu den Opfern der Aschewolke gehörten auch Dr. Robert Offner und das Publikum im Erasmus-Büchercafé. Samstagnachmittag sollte er um 18 Uhr das von ihm herausgegebene Buch von Paulus Kyr „Die Gesundheit ist ein köstlich Ding“ vorstellen. Wegen der Flughafensperren musste Offner aber auf den Reisebus umsteigen, war 23 Stunden unterwegs und kam mit fast zwei Stunden Verspätung in Hermannstadt/Sibiu an.

 

Nichtsdestotrotz packte er die Laptops aus und führte die verbliebenen Interessenten in die Medizingeschichte ein. Ein Stück dieser Geschichte ist in dem soeben im Schiller Verlag erschienenen Buch enthalten und kann im lateinischen Original, auf Deutsch, Ungarisch und Rumänisch sowie in englischer Zusammenfassung gelesen werden.

 

Dr. Robert Offner, der in Klausenburg/Cluj Medizin studiert hat und seit 1990 in Deutschland lebt, hat im Jahr 2000 (im hora Verlag) Arnold Huttmanns „Medizin im alten Siebenbürgen“ herausgebracht. Huttmann, 1997 verstorben, hatte die Idee der Neuauflage des „Gesundheitslehrbuches“ von Paulus Kyr bereits in den 1970er Jahren. Es dauerte einige Jahrzehnte und es benötigte der Energie und dem Koordinationstalent von Dr. Offner, um das Vorhaben verwirklichen zu können.

 

Zustandegekommen ist das wunderschöne Buch dank einem „internationalen virtuellen Team“ (so Offner) und schließlich einer dreimonatigen Zusammenarbeit mit Anselm Roth – ebenfalls per Internet - vom Schiller Verlag. Erschienen ist das Buch dank Förderung durch den Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde e. V. Heidelberg und die Heimatortsgemeinschaft Kronstadt/Brasov.

 

Das vom Kronstädter Arzt Paulus Kyr 1551 in „Transylvanieae, Corona“ gedruckte Gesundheitslehrbuch für Gymnasiasten gibt es nur mehr in drei Exemplaren. Eines davon liegt im Archiv der Honterusgemeinde. Es sei das erste gedruckte rein medizinische Buch eines Transsylvaners gewesen und als Lehrbuch für Gymnasiasten beispiellos in Europa, sagte Dr. Offner. Er stellte den Ausnahmemedicus Kyr vor, der auch auf Fürstenhöfen in Ungarn und Polen gefragt war, sowie die im 16. Jahrhundert praktizierte Gesundheitslehre und die entsprechenden Therapiemaßnahmen. Heute klingen sie ulkig und unterhaltsam, das Buch vermittelt aber einen hervorragenden Einblick in die Welt vor 450 Jahren in Siebenbürgen.

 

Langweilig war es den auf die Buchvorstellung wartenden Personen im Erasmus-Büchercafé übrigens nicht: Um die Wartezeit zu überbrücken, stellten Anselm Roth und Jens Kielhorn die Neuerscheinungen des Schiller Verlags und demnächst in Druck gehende Bücher vor. Zu Erstgenannten gehört neben der Biografie von Edit von Coler ein sechssprachiger Führer durch die Kirchenburg Birthälm/Biertan, zur Drucklegung vorbereitet werden eine Neuauflage des Buches „Weit hinter den Bergen“ von Karin Gündisch und eine Sammlung mit Kurzgeschichten von Bettina Schuller.

 

Hannelore Baier, ADZ, 20.04.2010

 

 

Interessanter als eine Bohrmaschine



Benjamin Jozsa und Andra Joeckle (oben), Wolfgang Sreter (Mitte), Buchcover Joeckle (unten)

Stadtschreiberin stellt ihr Buch vor / Doppellesung im Büchercafé am 25.02.2010

 

 

Es ist der literarische Abschluss eines fünfmonatigen Aufenthaltes in Hermannstadt/Sibiu. Fünf Monate, in denen Andra Joeckle die Stadt und ihre Menschen beobachtete, belauschte, aufnahm. Ihre Eindrücke hielt die Autorin in dem Büchlein „Eine Stadtschreiberin ist interessanter als eine Bohrmaschine“ fest, das am Donnerstagabend vorgestellt wurde.

 

 

Das zweisprachige Buch ist im Honterus-Verlag erschienen. Joeckles Texte übersetzte Ioana Constantin ins Rumänische. Vor der Buchpräsentation las zur Einstimmung der deutsche Autor Wolfgang Sréter aus einem seiner Bücher.

 

 

Es war das zweite Mal, dass Benjamin Józsa ein Stadtschreiberbuch vorstellen durfte. Der Verlagsleiter der Honterusdruckerei warnte die Zuhörer im Erasmus-Büchercafé vor zu hohen Erwartungen. Ein Stadtschreiber müsse nicht zwangsläufig über Hermannstadt schreiben, „solle keine Hermannstadt-Propaganda“ betreiben. Doch die Warnung war nicht nötig. Die mittelalterliche Stadt am Zibin steht, im Gegensatz zum Büchlein ihres Vorgängers, im Mittelpunkt von Joeckles Arbeit. Auf sehr poetische Weise, wie Józsa es ausdrückte, setzt sich die Autorin darin mit Hermannstadt auseinander.

 

 

Es ist ein kleines Buch geworden. Nur drei Monate hätte sie Zeit zum Schreiben gehabt, erklärte Joeckle entschuldigend. Sie habe sich von ihren Impulsen leiten lassen, habe die Stadt nicht touristisch wahrnehmen wollen. Und dennoch „ist es eine Hommage an Hermannstadt“, wie die Stadtschreiberin auf Zeit meinte. Das Buch enthält sieben tagebuchartige Beiträge, korrespondierende Aufzeichnungen zu den stimmungsvollen Fotografien, die Joeckle während ihres Aufenthaltes in der Stadt machte und mit denen das Buch illustriert ist.

 

 

In der Tat scheint die Deutsche ein inspirierendes Reizklima vorgefunden zu haben. Oskar Pastior ist ihr ein lyrischer Begleiter und Ideengeber, seine Zitate, ebenso wie solche von Herta Müller findet der Leser wiederholt im Buch. Sie setzt sich mit architektonischen Besonderheiten, wie glasierten Dachziegeln und Dachgauben auseinander, geht siebenbürgisch-sächsischen und rumänischen Sprachgewohnheiten nach, hinterfragt scheinbar alltägliche Dinge. Joeckle liest an diesem Abend das erste Kapitel, es ist eine Szene auf dem Huetplatz/Pia]a Huet vom Tag ihrer Ankunft. Anschließend suchte sie im Gespräch mit den Zuhörern den weiteren Inhalt zu skizzieren.

 

 

Mit Pastior habe sie sich intensiv befasst, viele Texte des Hermannstädter Lyrikers gelesen, wobei sie zugab, irgendwann die „Waffen gestreckt zu haben“. „Ich habe von den Texten nicht viel verstanden“, bemerkt Joeckle, zeigte sich aber angetan von seinen Wortschöpfungen, mit denen sie ihre Texte immer wieder anreichert. Unterbrochen wird ihre Prosa von Gesprächen mit einem jungen Sachsen, der ihre Empfindungen mit lokaler Sachkenntnis spiegelt.

 

 

Begonnen hatte den literarischen Abend Wolfgang Sréter, der aus seinem Erzählband „Traglinger“ las. Der aus Passau stammende Autor arbeitet derzeit für die Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) im Rahmen des Projektes „Stärkung des touristischen Potenzials der Siebenbürgischen Dörfer“.

 

 

Holger Wermke, ADZ

 

Das Buch der Stadtschreiberin ist kostenlos erhältlich, solange der Vorrat reicht.

 

 

Zur Neuauflage des Buches "Geschichten über Astrid" von Karin Gündisch



aus der Siebenbürgischen Zeitung (Online-Ausgabe) vom 4. November 2009

 

Zeitlos schön: Interview mit Karin Gündisch

 

„Es gibt noch kleine Wunder: feines Papier, ein Lesebändchen, ein wunderschöner Einband“ – so äußert sich die Autorin Karin Gündisch über die Neuauflage ihres Buches „Geschichten über Astrid“, die jüngst im Schiller Verlag erschienen ist. Wer das Buch in der ersten Auflage von 1984 kennt, wird schon auf den ersten Blick den Unterschied bemerken: Astrid ist moderner geworden, zumindest äußerlich, aber die Geschichten über sie und ihre Kindheit in Siebenbürgen sind auch nach 25 Jahren noch zeitlos schön. Im Gespräch mit Doris Roth berichtet Karin Gündisch über die Entstehung der „alten“ und der „neuen“ Astrid und über laufende Projekte.

 

Wie ist „Geschichten über Astrid“, Ihr erstes in Deutschland veröffentlichtes Buch, entstanden?

Es war ein langwieriger Schreibprozess, weil ich damals sehr wenig Zeit für mich hatte. Meine Kinder waren klein und brauchten mich. Ich arbeitete als Lehrerin, gab Privatstunden, schrieb für die Presse und arbeitete auch viel für die deutsche Sendung im Fernsehen. Außerdem führte ich ein Tagebuch, das viel Zeit in Anspruch nahm. Manche Astrid-Texte habe ich einfachheitshalber direkt ins Tagebuch geschrieben.
Ich schrieb meistens in der Nacht, wenn meine Lieben längst schliefen. Das Buch ist in Schüben entstanden, zwischen denen immer wieder größere Pausen lagen. Als es nach fast drei Jahren endlich fertig war, gab es keine Möglichkeit, das Buch in Rumänien zu veröffentlichen, denn ich hatte vor, mit meiner Familie auszuwandern.

„Geschichten über Astrid“ ist bereits 1984 erschienen. Warum gibt es jetzt eine Neuauflage?

Es gab im Verlag Beltz & Gelberg mehrere Auflagen, die inzwischen ausverkauft sind. Viele der Texte leben aber in den deutschen Schulbüchern weiter. Später gab es zwei Auflagen im ADZ Verlag in Bukarest. Ich habe damals dem Verlag die Lizenz geschenkt, damit das Buch für jedes Kind erschwinglich war. Studenten der Universität Hermannstadt haben das Buch dann ins Rumänische übersetzt. Aber auch diese Auflagen waren bald ausverkauft.
Man kann mit diesem Buch sehr gut in der Schule arbeiten. Außerdem lesen es auch Erwachsene (vor allem jene aus Siebenbürgen) gern. Das Thema Kindheit ist ja zeitlos. Also kann man das Buch eigentlich immer wieder neu auflegen.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem Schiller Verlag in Hermannstadt und mit Anselm Roth, der die Gestaltung des Buches übernommen hat?

Ich bin mit der Familie Henning von der Post in Michelsberg gut befreundet. Michel Henning meinte, dass die „Geschichten über Astrid“ nach Siebenbürgen gehörten. Dagegen war wirklich nichts einzuwenden. Er kannte Anselm Roth und muss ihm wohl von dem Buch erzählt haben. Anselm kam mich besuchen und zwei Stunden später war alles geklärt. Er wollte über eine passende Illustration nachdenken und hat dann die schönen Fotos von meiner Kindheitsgegend gemacht. Die Zusammenarbeit mit meinen Verlegern Anselm Roth und Jens Kielhorn verlief sehr angenehm und noch nie habe ich erlebt, dass ein Buch so schnell hergestellt wurde.

Wie viel Astrid steckt in Ihnen?

Gute Frage. Gewöhnlich werde ich gefragt, wie viel von mir in Astrid steckt. Jetzt muss ich also umgekehrt denken. Ich glaube, dass ich mir etwas von Astrids Neugier auf die Welt und auch etwas von ihrer Aufmüpfigkeit und ihrem Gerechtigkeitssinn bewahrt habe. Die Lust am Lesen und die Liebe zum Theater teile ich mit ihr, aber das Daumenlutschen habe ich mir abgewöhnt.

Auch wenn Sie nicht gern über „ungelegte Eier“ reden: Welche Projekte planen Sie für die nächste Zeit? Was ist z. B. aus dem Buch „Der tapfere Felix“ geworden, von dem Sie im vergangenen Jahr (Siebenbürgische Zeitung Online vom 10. April 2008) erzählt haben?

Da hat sich bis jetzt leider gar nichts getan. Der Vertrag ist längst unterschrieben, aber der Verlag hat es nicht eilig. Ich habe nachgesehen, was ich da eigentlich unterschrieben habe: Der Verlag hat vier Jahre Zeit, um das Buch zu verlegen. Ich muss mich also in Geduld fassen und daran glauben, dass das Buch eines Tages doch noch erscheint.
Ich übertrage meine handgeschriebenen Tagebücher von 1982-1984 (also bis zu meiner Auswanderung) in den Computer und bin wie immer im Herbst zu Lesungen in Schulen unterwegs.

Vielen Dank für das Gespräch.

Karin Gündisch, „Geschichten über Astrid“, Schiller Verlag, Hermannstadt – Bonn, 2009, 80 Seiten, 9,70 €, ISBN 978-3-941271-22-7. Das Buch kann in jeder Buchhandlung oder über das Shop-Portal auf www.siebenbuerger.de bestellt werden.

Geschichten über Astrid

Karin Gündisch
Geschichten über Astrid

Schiller Verlag
Gebundene Ausgabe
80 Seiten
Lei 40 / EUR 9,70 (+ Versandkosten)

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Zum neuen Mediasch-Band des Schiller-Verlages und der HOG Mediasch schreibt die ADZ:



Die Treidelfähre "MIXI" vor der gerade wieder einmal zerstörten Kleinen Kokelbrücke.

Historischer Streifzug durch Mediasch

Ein reichbebildeter Band über die Kokelstadt ist im Entstehen

 

Von Hannelore Baier


Mediasch - „Am Ende des 19. Jahrhunderts traten vermehrt Risse und Sprünge im Mauerwerk des Turms auf. 1918 ließ Senator Johann Caspari diese verstreichen und auch den Schutt und Schmutz im untersten Turmgeschoss wegräumen. Dies gab den Blick frei auf starke Risse und Verschiebungen des Mauerwerks. Als 1925 weitere bedenkliche Risse auftauchten, erhielt Karl Georg Römer den Auftrag, den Turm zu untersuchen und zu retten.

Er kam zu dem Ergebnis, dass der Turm ernsthaft gefährdet und unmittelbar vom Einsturz bedroht sei. Längsrisse auf allen vier Seiten hätten dazu geführt, dass die Ecken nicht mehr miteinander verbunden seien, so seine Beurteilung.“ Unter Römers Leitung begann die Aktion zur Rettung des Trompeterturms in Mediasch. Was damals alles getan worden ist und alle sonstigen Details betreffend das Wahrzeichen der Kokelstadt werden ausführlich beschrieben in einem Buch, das im Schiller-Verlag in Hermannstadt/Sibiu entsteht. „Mediasch.

Ein historischer Streifzug durch die siebenbürgisch - sächsische Stadt an der Kokel in Bild und Wort“ lautet sein Titel, wurde von Günther Schuster und Dr. Hansotto Drotloff, dem 1. Vorsitzenden bzw. dem Schriftführer und Kulturreferenten der Heimatgemeinschaft Mediasch e.V. redigiert und wird in deren Auftrag herausgegeben. Das Erscheinen des voraussichtlich ca. 400 Seiten umfassenden Bandes ist für den Frühsommer dieses Jahres vorgesehen, bestellt werden kann er bereits zum Subskriptionspreis über die Webseite der Heimatgemeinschaft (www.mediasch.de).

Günther Schuster und Hansotto Drotloff hatten 2002 damit begonnen, eine umfassende Dokumentation des grafischen, fotografischen und schriftlichen Erbes von Alt Mediasch zu sammeln. Zahlreiche Mediascher liehen Ansichtskarten, Fotografien und Dokumente her, durch Forschungen im Siebenbürgischen Archiv in Gundelsheim, im Archiv der Evangelischen Kirchen in Mediasch, Hermannstadt und Kronstadt, in der Hermannstädter Zweigstelle des Nationalen Historischen Archivs, in mehreren Budapester Archiven und Bibliotheken und schließlich im Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien konnte ein mehrere Tausend Einzelbelege umfassendes Bild- und Textarchiv zusammengetragen werden. Besonders intensiv ist in der Mediascher Presse („Mediascher Wochenblatt“ bzw. „Mediascher Zeitung“) recherchiert worden.

Aus diesem reichen Fundus der HG entsteht nun ein „Bilderbuch“, und zwar in Ergänzung des Mediasch-Buches von 1992. Mit dem Bildband möchten die beiden Autoren „das sächsische Mediasch und seine Bewohner in Erinnerung rufen“, heißt es in ihrem Konzept. Als Mitarbeiter konnten sie Helmut Julius Knall, Gustav Servatius, Ingmar Brandsch, Gerhard Pauer, Wilfried Römer und Konrad Klein gewinnen.

Dargestellt werden soll nicht nur die Stadt als „Stein gewordene Geschichte“, sondern auch das Leben der Menschen, die das Bild und den Geist der Stadt geprägt haben. Das Hauptgewicht wird auf dem historischen Mediasch liegen, wobei der geschichtliche Teil im Jahr 1918 endet.

Das „Bilderbuch“ beginnt mit der „Mediascher Landschaft“: Gustav Servatius, der bekannte Geografielehrer und Naturfreund, nimmt seine Leser auf einen Rundgang mit, der in weitem Bogen einmal um die Stadt führt. Im zweiten Abschnitt geht Hansotto Drotloff an die Anfänge der Stadt Mediasch zurück. Beginnend mit der Hutter-Chronik, deren Abschrift im Archiv der Schwarzen Kirche im Zuge dieses Projektes neu entdeckt wurde, werden Berichte von Reisenden, Geografen und Selbstbiografen chronologisch umfassend zitiert, um das Bild der Stadt aus frühen Zeiten zu rekonstruieren, das mittels aller bisher bekannten historischen Stiche auch illustriert wird.

Ein umfangreiches drittes Kapitel ist der Architektur von Alt-Mediasch und ein viertes dem städtischen Leben in Alt-Mediasch gewidmet. Darin stellt Hans-Gerhard Pauer die Geschichte des Mediascher Gymnasiums vor und Ingmar Brandsch bringt einen Abriss der wirtschaftlichen Entwicklung. In einem letzten Abschnitt wird anhand von Genrebildern an das Vereinsleben und an das „kulturelle“ Mediasch erinnert. Ein zweiter Teil des Buches umfasst eine „Dokumentation“, die eine Chronik, einen Abriss der frühen Stadtentwicklung sowie die Listen der Mediascher Bürgermeister, Stadtpfarrer und Schulrektoren enthält. Eine Sammlung von Kurzbiografien bekannter Mediascher Persönlichkeiten wird das Porträt der Stadt und ihrer Bewohner abrunden.

aus der ADZ vom 18.02.2009

 

 

„Hermannstadt erlesen“ von Laura Balomiri und Joachim Wittstock



Joachim Wittstock und Laura Balomiri

Ein sentimentales Gebäude    

Von Hannelore Baier

 

Es sei ein kompliziertes Gebäude, das eingerichtet wurde. So wenig prosaisch definierte der Schriftsteller und Literaturhistoriker Joachim Wittstock die Anthologie mit Texten zu Hermannstadt/Sibiu, die in der vom Wieser Verlag herausgegebenen Reihe „Europa erlesen“ erschienen ist. Mit der Vorstellung der Anthologie am vergangenen Donnerstagabend im Erasmus-Büchercafé bereiteten die Herausgeber dem zahlreich erschienenen Publikum ein vorweihnachtliches Geschenk.

Das „Gebäude“ konstruiert hat Laura Balomiri. Mit ihm wollte sie die Stadt in Siebenbürgen dem deutschsprachigen Publikum in Europa erschließen, widmete dem „Ort ihrer ersten Erinnerungen“ aber auch ein kleines sentimantales Geschenk: Laura Balomiri ist in Hermannstadt geboren, lebte jedoch in Bukarest, später in Wien, und kam in ihre Geburtsstadt 2004 als Österreich-Lektorin zurück.

Das Gerüst, auf das Balomiri die Anthologie aufbaute, sind Verse aus dem Gedicht des zeitgenössischen Hermannstädter Dichters Dumitru Chioaru „Vine o vreme“, in deutscher Übersetzung von Joachim Wittstock: „Es kommt die Zeit“. Verszeilen daraus bilden die Überschriften der vier Kapitel des Buches, in welche zumeist Auszüge aus historischen Dokumenten und Briefen über Legenden hin zu literarischen Texten im klassischen Sinn zusammengefasst worden sind. Aufgenommen wurden Würdigungen von Hermannstadt aber auch Texte, die der Stadt weniger schmeicheln, manche sind eher dokumentarisch, andere suggerieren das Hermannstadt-Bild nur, wobei sich der Zeitbogen aus der legendären Ur-Vergangenheit bis in die Gegenwart spannt. Es sind Texte unbekannter Autoren aber auch solche, die drei österreichische Dichter – Bodo Hell, Christoph Bauer und Michael Donhauser – eigens für die Anthologie verfasst haben. Ausgemalt wurden die Räume des „Gebäudes“ interkulturell, weshalb die Anthologie mehr Übersetzungen als andere Bände der Reihe umfasst, und zwar aus dem Rumänischen, Ungarischen und Englischen.

Auf viele Texte wurde die Herausgeberin von Joachim Wittstock hingewiesen. Seine private Bibliothek, in der die Bücherregale in doppelter und dreifacher Reihe stehen, sei ergiebiger gewesen als die Uni- und die Astra-Bibliothek zusammen. Wittstock selbst erwähnte fünf „unerwartete Momente“, d.h. Texte aus der Anthologie, deren Inhalt heute Verwunderung auslösen, wenn man die Zeit bedenkt, in der sie verfasst wurden. Dazu gehören „Das Chaos der Verwandlungen“, eine posthume Veröffentlichung von Lucian Blaga, das Roman-Fragment Erwin Wittstocks „Abtransport in sowjetrussische Arbeitslager“ oder die Schilderung der Dezember-1989-Ereignisse von Vasile Avram.

Die Anthologie zu Hermannstadt ist die dritte, die dem heutigen Rumänien gewidmet wurde. Ihre Vorgängerinnen beinhalten Texte zu Bukarest (von Axel Barner herausgegeben) und Siebenbürgen (von Georg Aescht zusammengestellt), erschienen ist aber auch ein Band zu Czernowitz (Herausgeber: Peter Rychlo). Der Stapel der zu spät entdeckten, erst nach der Abgabe erschienenen oder vom Verlag nicht verwendeten Texte sei genauso groß wie jener der aufgenommenen, so dass ein weiterer Band zu Hermannstadt erscheinen könnte, meinte Laura Balomiri. 

 

aus der ADZ vom 24.12.2008

 

 

 

 

Buch zur Geschichte der Hermannstädter Zeitung präsentiert



Foto: Sebastian Marcovici, HZ

„Ein Spiegelbild des Alltags“    

von Beatrice UNGAR

 

„Es gibt kein besseres Zeugnis vom wechselvollen Leben der Siebenbürger Sachsen in den vergangenen Jahrzehnten als die Hermannstädter Zeitung. Von ihrer ersten Ausgabe vom 25. Februar 1968 an ist sie ein Spiegelbild des Alltags dieser Minderheit im Kommunismus unter den Launen Ceausescus, der abwechselnd die Daumenschrauben anzog und mit Lockerung überraschte.“


So präsentieren die Verleger, Anselm Roth und Jens Kielhorn vom Schiller Verlag in Hermannstadt das Buch von Anna Galon „Zwischen Pflicht und Kür. Die Hermannstädter Zeitung und die Siebenbürger Sachsen im kommunistischen Rumänien und nach der Wende“ in dem Umschlagtext.

 

Das im Jahr des 40. Jubiläums der Zeitung erschienene Buch wurde am vergangenen Freitag im Erasmus-Büchercafé im Teutschhaus vor einem zahlreichen Publikum vorgestellt. Zunächst äußerte sich Hans Klein als Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen in Hermannstadt und Mitglied im Beirat der Hermannstädter Zeitung zu der Neuerscheinung. Klein stellte fest, daß es sich dabei um eine „tiefgründige wissenschaftliche Untersuchung“ handele, in der er „keinen einzigen sachlichen Fehler gefunden“ habe. Das habe er bei der Lektüre eines Buches über hiesige Verhältnisse, das von jemand von außerhalb geschrieben wurde, noch nie erlebt. Die Autorin Anna Galon schildere sehr nüchtern die soziale Lage der Siebenbürger Sachsen und das Umfeld der letzten 60 Jahre.

 

Galon habe ein Buch geschrieben, das jeden bereichere, der es liest, auch wenn er oder sie die geschilderte Zeit selbst erlebt hat. Die Autorin sei über die wissenschaftliche Analyse bemüht, mit Sachverstand und großem Einfühlungsvermögen in die Zeitung „hineinzulesen“. Klein dankte allen früheren und derzeitigen Redakteuren und Redakteurinnen der Hermannstädter Zeitung, die sich immer der Gemeinschaft verpflichtet gefühlt hätten und äußerte die Hoffnung, daß diese Zeitung Hermannstadt und Umgebung auch in Zukunft begleiten werde.

 

Sozusagen aus dem Nähkästchen erzählte Anna Galon, derzeit Redakteurin bei der Tageszeitung Westfalenpost, wie es zu diesem Buch kam. Den ersten Kontakt zur HZ hatte sie 2003 bei einer Medienmesse in Köln, wo sie den damaligen Chefredakteur Horst Weber kennenlernte und sich zu einem Praktikum bei der HZ entschloß. Die Begegnung mit der Redaktion überzeugte sie davon, dieser deutschen Wochenschrift ihre Diplomarbeit zu widmen, die sie 2004 vorlegte. Dann kam sie 2004 für zwei Jahre erneut in die HZ-Redaktion, als ifa-Redakteurin. Irgendwann wurde dann die Pflicht (sprich: Diplomarbeit) zur Kür (sprich: Buch), nicht zuletzt dank der Unterstützung seitens der Siebenbürgisch-Sächsischen Stiftung München und der Stiftung Presse-Haus NRZ Essen, die die Publikation des Buches förderten. B. U.

 

aus der Hermannstädter Zeitung vom 03.10.2008

 

 

Voltaire von Stolzenburg



Foto: Hannelore Baier

Der Pfarrer und Mundartautor Walther Gottfried Seidner wurde 70

 

von Hannelore Baier 

 

„Voltaire von Stolzenburg“. Als solcher ist Walther Gottfried Seidner längst über die Grenzen der siebenbürgisch-sächsischen Gemeinschaft hinaus bekannt. Mit diesem Titel – denn es ist mehr als ein Spitzname – stellte Dr. Jürgen Henkel, der Leiter der Evangelischen Akademie Siebenbürgen (EAS) den Pfarrbruder und Autor vor. Als „Institution“ bezeichnete ihn Dr. Stefan Cosoroaba, der Dechant des evangelischen Kirchenbezirkes Hermannstadt/Sibiu, und Prof. Dr. Hermann Pitters hob die Verdienste des Theologen sowie Mundartautors und -forschers hervor. Gelegenheit dazu hatte eine Feier der besonderen Art geboten: Seidner ist am 15. März 70 Jahre alt geworden und diesen runden Geburtstag feierte er am Sonntagabend in der EAS mit der Vorstellung seines neuesten Buches, aus dem er den zahlreichen Gratulanten las, desgleichen aber auch eine unveröffentlichte Erzählung vortrug.

 

„Auf Wolke SiebenBürgen ... Paradies in der Hölle ... gute Nachtgeschichten“ lautet der Titel des Buches. Es ist ein Buchtitel á la Voltaire! Drei Deutungen interpretierte Dr. Henkel in den Buchnamen hinein: Auf Wolke 7 befinde der Autor sich in dem von spezifischer Toleranz geprägten Siebenbürgen, das Paradies in der Hölle symbolisiere die Schmerzen über das Verlorengegangene, in seinen Schilderungen bleibt Seidner dennoch aber bei gute(n), d.h. hoffnungsvollen, (Nacht-)Geschichten. Auf 308 Seiten umfasst das Buch vorwiegend Erzählungen, doch wurden auch mehrere Gedichte aufgenommen sowie die bekannten Voltaire’schen Wortspiele, Kalauer oder Limericks, mit Titeln wie „Gereimte Tropfen – getropfte Reime“ oder „Affo-Rissmen eines Schimpf-Hansen“ und „Die zehn Widder-Sprüche für Politiker“.

 

Er sei kein Dissident, sondern ein „Witzident“ gewesen, sagte Seidner über sich selbst. Nach bestandener Reifeprüfung hatte er das Theologische Institut besucht, begann seine Dienstzeit 1961 als Vikar in Klausenburg/Cluj-Napoca und war danach Pfarrer im Nösner Land, in Reußdörfchen/Rusciori und zuletzt in Stolzenburg/Slimnic. Er schrieb Theaterstücke – das wohl bekannteste ist „Sherlock Honnes“ – und Humoresken, Erzählungen und Lyrik in der Hochsprache und in der Mundart. Weniger bekannt ist sein Verdienst als Erforscher der (sächsisch gehaltenen) Predigten des Damasus Dürr, sowie dass er begonnen hat, das Neue Testament ins Sächsische zu übertragen.

 

Bekannt und beliebt ist „Voltaire“ wegen seiner feinen Beobachtungsgabe und des Talents, durch Buchstaben- oder Wortverdrehungen und -kombinationen, Humor zu produzieren. „Humor ist der Schornsteinfeger der Seele“, sagte er. Mit und durch Humor könne man oft mehr sagen als durch lange Reden, meinte Dechant Cosoroaba, der beide Seiten des Jubilars beglückwünschte: die „Institution des Hofnarren“, zu der „Voltaire“ geworden ist, die man zitiert und liest bzw. noch lange Jahre zitieren wird, und den dahinterstehenden feinfühligen, mitdenkenden und mitbetenden, gern und selbstlos einspringenden Amtsbruder. Er sprach die Bitte aus, Seidner möge die Gemeinschaft als Chronist auch in Zukunft begleiten.

 

aus der ADZ vom 18.03.08

 

 

Carmen E. Puchianu las im Erasmus-Büchercafé



Foto: Beatrice Ungar

Keineswegs morbid             

 

von Beatrice UNGAR

 

 

Langsam und behäbig liest die Autorin ihre Geschichten vor, so, als entdecke sie diese beim Lesen wieder neu. Durch Gestik und Mimik signalisiert sie Distanz und zugleich Engagement. Die Zuhörenden werden behutsam aber bestimmt mitgenommen auf eine Reise in eine Welt mit skurrilen, tragikomischen Gestalten und Handlungen. So geschehen bei der Lesung der Kronstädter Schriftstellerin Carmen Elisabeth Puchianu am vergangenen Freitag im Erasmus-Büchercafé in Hermannstadt.

 

Puchianu arbeitete nach ihrem Germanistikstudium zunächst als Englischlehrerin in einem Dorf 100 km entfernt von ihrem Geburtsort und dann ab 1983 als Deutschlehrerin am Honterusgymnasium in Kronstadt. Mit einer Kafka-Vorlesung wechselte sie 1995 als Lektorin für deutsche Literatur an die „Transilvania“-Universität in Kronstadt. Seit 2000 hat sie hier den Lehrstuhl für Fremdsprachen und Literatur inne. 2004 promovierte sie mit einer Dissertation zu Thomas Mann. Ihr Doktorarbeit erschien in Form einer Monographie unter dem Titel „Der Splitter im Auge: Überlegungen zur Interpretation einiger Erzählwerke von Thomas Mann im Passauer Verlag Karl Stutz, in dem auch ihr jüngstes Buch, „Der Begräbnisgänger“ 2007 erschienen ist.

 

Die Lesung im Erasmus-Büchercafé war die vierte, bei der die Autorin ihr neuestes Buch vorstellte. Zuletzt las sie vor knapp drei Wochen im Museum für moderne Kunst in Passau.

 

In Hermannstadt las Puchianu die 1987 entstandene Geschichte „Das Denkmal“ und die Titelgeschichte. Sie zwingt ihre Lesart nicht auf, sie bietet sie dar - charmant und inszeniert. Die Zuhörenden könnten z. B. beim „Denkmal“, einer der vielen „Kronstädter Schildbürgerstreiche“ (Joachim Wittstock) einfach die Augen schließen und einen Stummfilm vor ihrem inneren Auge vorbeiziehen lassen. Die Geschichte fußt auf einer wahren Begebenheit, das Ende auf einer Begegnung mit einer dreibeinigen trächtigen Hündin. Dies Bild läßt Puchianu zum Standbild werden, daß auf den mit viel Aufwand aufgestellten Sockel gestellt wird und ab sofort alle Hunde aus der Stadt anlockt.

 

Mit dem „Begräbnisgänger“ leistet die Autorin nach eigener Aussage (sich) eine Lebenshilfe. Sie sagt: „Der Tod ist ein Grundmotiv meiner ganzen Literatur. Ich bin seit sehr langer Zeit direkt konfrontiert mit dem Tod. Vor allem dem Tod meiner Mutter. Indem ich Geschichten wie diese und die anderen in dem vorliegenden Band schreibe, versuche ich, mit diesem Thema zu Rande zu kommen, so daß ich mich ein wenig lustig machen kann.“

 

Die Graphik auf dem Umschlag des Bandes stammt von der Passauer Künstlerin Ulrike Hornung und stammt aus dem Zyklus „Tod“. Die Künstlerin setzt sich in diesem Zyklus in einer interessanten Schichtentechnik auseinander mit dem Ableben eines guten Bekannten.

 

Puchianu erweist sich mit diesem Geschichtenband erneut als genaue und liebevolle Beobachterin. Ihre bildhafte Erzählweise macht die Lektüre zu einem Genuß. Sie schöpft regelrecht aus dem vollen Leben, um sich mit dem Tod auseinanderzusetzen. Wer ihr dabei Zynismus oder gar morbide Gedanken vorwirft liegt allerdings falsch.

 

 

aus der HZ vom 14.03.08

 

 

"Launische Launen"



Foto: Hannelore Baier

Lesung mit Nora Iuga und Ernest Wichner 

 

von Sunhild Galter

 

Ein schon etabliertes Kulturereignis in Hermannstadt sind die Buchvorstellungen und Lesungen im Erasmus-Büchercafé. Am Freitag, den 29. Februar war es wieder so weit. Dr. Stefan Sienerth, Direktor des Instituts für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas aus München, führte durch die Lesung von Nora Iuga und Ernest Wichner, Leiter des Berliner Literaturhauses.

 

In seiner Vorstellung der beiden Autoren wies Sienerth auf ihre langjährige Freundschaft hin, die sich trotz des erheblichen Altersunterschieds „auf den Respekt vor der Leistung des Anderen, auf eine ähnliche Auffassung von der Rolle und der Bedeutung literarischer Übersetzungen und auf ein in vielen Hinsichten ähnliches Verständnis von Poesie“ gründet.

Wichner hat zwei Gedichtbände Nora Iugas ins Deutsche übersetzt, die von bekannten deutschen Verlagen unter dem Titel „Der Autobus mit den Buckligen“ (2003) und „Gefährliche Launen“ (2007) herausgegeben wurden. Sie wiederum übersetzte seine Texte ins Rumänische und knüpfte dadurch ein weiteres Band im literarischen Beziehungsgeflecht zwischen rumänischen und rumäniendeutschen Autoren, seien sie noch in Rumänien ansässig oder inzwischen in Deutschland beheimatet.

Die entspannte Atmosphäre des Büchercafés bot den Gästen den passenden Rahmen für einen besonderen poetischen Abend. Die in oft spontan getroffener Absprache vorgetragenen Texte wurden abwechselnd in rumänischer und/oder deutscher Sprache vorgetragen, wobei oft auch die Entstehungsgeschichte in launiger Weise mitgeliefert wurde. Auch wenn manche Zuhörer ihre Schwierigkeiten mit der modernen Textur und der vom eher konservativen Stammpublikum zuweilen als unverblümt empfundenen Ausdrucksweise hatten, bot die lebendige, mit Verve präsentierte Lesung ein nachhaltiges kulturelles Erlebnis.

Im Anschluß an die Lesung kam es zu einem angeregten Gespräch, wobei vor allem Fragen zur Übersetzertätigkeit der beiden Schriftsteller gestellt wurden. Das Übersetzen sei wie ein Gespräch mit dem Autor, konnte man als Laie erfahren und daß die Übersetzer das Werk oft vorher nicht läsen, um es unmittelbar während des Übertragungsvorgangs zu erfahren und dadurch auch unmittelbarer in die andere Sprache transponieren zu können. Auch daß die vielen gelesenen und übersetzten Texte in ihrer eigenen Dichtung als unbewußte Übernahme von Formulierungen (Iuga) mitschwingen, quasi „mitzwitschern“ (Wichner) bestätigten beide Autoren.

In angeregten Gesprächen konnten die Eindrücke noch bei einem Glas Wein oder Saft vertieft werden, was die meisten auch wahrnahmen. Schließlich hat man nicht alle Tage die Gelegenheit, sich persönlich mit so interessanten und anerkannten Schriftstellern und Übersetzern auszutauschen.

 

aus der HZ vom 07.03.2008

 

 

Schiller Verlag publiziert deutsch- und rumänischsprachige Bücher



Logo des Schiller-Verlages

Alles praktisch beisammen


Von Hannelore Baier

 

Er startete mit einem Renner, mit der Neuauflage des „Siebenbürgischen Kochbuchs“ von Martha Liess. Die tausend Exemplare der ersten Auflage waren nach dem Erscheinen im Dezember 2007 im Handumdrehen verkauft. Vor wenigen Tagen traf die zweite Auflage – und zwar zweitausend Exemplare – in Hermannstadt/Sibiu ein, wo es die Küchenbibel und/oder -fibel im Erasmus-Büchercafé und in der Schiller-Buchhandlung zu kaufen gibt. Und „Schiller“ heißt auch der neue Verlag, der Bücher in deutscher und in rumänischer Sprache – separat oder im Mix – herausbringt.Gegründet wurde der Verlag im Herbst 2007 von Jens Kielhorn zusammen mit Gattin Liana, Inhaber bzw. Betreiber der beiden Buchhandlungen, und Anselm Roth, selbst Autor von Reiseführern und zuvor am hora-Verlag beteiligt. Beide Verlagsgründer kamen aus Deutschland nach Hermannstadt – Kielhorn aus Bonn und Roth aus Fürstenfeldbruck –, jedoch nicht in die Fremde: Liana Kielhorn und auch Anselm Roth wurden in Rumänien geboren. Die Verlagsgründung fand „zur Abrundung des eigenen Bücherangebotes“ statt, ist auf der Homepage des Erasmus-Büchercafés zu lesen. Eines der im Schiller Verlag erschienenen Bücher, die von Gerhard Schullerus und Wolfram G. Theilemann herausgegebenen Fundstücke aus dem Nachlass von Bischof Friedrich Teutsch, entstand quasi im selben Haus: Das Erasmus-Büchercafé wurde im Sommer 2006 im Erdgeschoss des Kultur- und Begegnungszentrums Friedrich Teutsch eröffnet, in dem sich das Zentralarchiv und das Museum der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien befinden. Zum „Hausverlag“ wurde „Schiller“ jedoch nicht bloß für das Zentralarchiv und dessen Publikationsreihe „Miscellanea ecclesiastica“, in der für 2008 drei bis vier Bücher geplant sind, sondern auch für die Evangelische Akademie Siebenbürgen. In deren Reihe ADACEMIA wurden bei Schiller die beiden Neuerscheinungen „Zwischen Nazis und Persönlichkeiten des Widerstands“, herausgegeben von Roland Lohkamp und Jürgen Henkel, sowie der dem orthodoxen Theologen Dumitru Staniloaie gewidmeten Band veröffentlicht. Beide Bücher enthalten Vorträge in deutscher und rumänischer Sprache, die im Rahmen von Konferenzen im Jahr 2006 gehalten wurden. Da solche auch 2007 stattgefunden haben und 2008 stattfinden werden, wird es auch aus diesem Haus noch so manchen Tagungsband geben. In Druck befindet sich zurzeit eine rumänische Übersetzung des Buches „Alle meine Spiele” von Erika Mitterer. Pünktlich zur Feier des 40-jährigen Bestehens der „Hermannstädter Zeitung“ wird heute die von Anna Galon verfasste Geschichte der Hermannstädter Wochenzeitung präsentiert.Nach den Städte-Reiseführern brachte Anselm Roth einen Reisebegleiter zu den siebenbürgischen Gästehäusern heraus. Im Entstehen ist nun unter Mitarbeit des im Teutsch-Haus tätigen Museumswissenschaftlers Sören Pichotta ein Besichtigungshandbuch für rund 25 Museen im Siebenbürger Kernland. Bestellbar sind die im Schiller Verlag (www.schiller.ro) erschienenen Bücher selbstverständlich über das Erasmus-Büchercafé, wo ein Teil der Neuerscheinungen auch vorgestellt wurde und weitere sicher werden. Es geschieht eben fast alles im eigenen Haus, und das ist sehr praktisch.

 

aus der ADZ vom 25-02-08

 

 

Zur Vorstellung des Buches „Land des Segens?“ von Paul Philippi / Von Hannelore Baier



Antworten auf Fragen der Geschichte

 

Hermannstadt – Über Fragen der Geschichte und der Theologie habe er sich bemüht herauszufinden, ob Siebenbürgen das Land des Segens sei, sagte Prof. Dr. Zeno-Karl Pinter am Schluss der Präsentation. Vorgestellt hatte der Historiker und Unterstaatssekretär im Departement für interethnische Beziehungen am Freitagabend im voll besetzten Spiegelsaal des Forumshauses das jüngst veröffentlichte Buch von Prof. Dr. Paul Philippi „Land des Segens? Fragen an die Geschichte Siebenbürgens und seiner Sachsen“. Das Buch umfasst Beiträge, die Philippi zu unterschiedlichen Anlässen im Verlauf von sechs Jahrzehnten verfasst hat. Zusammengefasst sind sie nun als Band 39 der Reihe „Siebenbürgisches Archiv“ im Böhlau Verlag erschienen, Publikationsreihe, die Philippi vier Jahrzehnte lang betreut hat. Zeitlich umfassen die Aufsätze eine Periode von acht Jahrhunderten, für das Lektorat der teilweise bereits veröffentlichten, teilweise nun erstmals abgedruckten Beiträge, zeichnet die Publizistin Annemarie Weber.Der Titel des Buches trägt ein Fragezeichen, sein Inhalt aber biete Antworten auf zahlreiche Problemstellungen der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Siebenbürger Sachsen sowie Siebenbürgens, sagte Pinter. Gefunden hat Philippi sie in der interdisziplinären Betrachtung. Wie Philippi in der Vorbemerkung erläutert, hatte er Historiker und Pfarrer „gelernt“ und sowohl für seine Dissertation als auch seine Habilitation kirchenhistorisch „gearbeitet“, zudem Seminare aber auch in Germanistik belegt. Über die Motivation, Fragen an die Geschichte zu stellen, sprach Philippi in seinem Kurzvortrag zum Buch und schilderte dabei die Entstehungsgeschichte des Arbeitskreises für Siebenbürgische Landeskunde, den Herausgeber der Publikationsreihe. Gegründet wurde der Arbeitskreis von Vertretern der Kriegsgeneration, die „aus dem Land des Segens zur Waffen-SS“ gezogen waren, und die sich nach der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft zum Thema Zukunft der Heimat stritten. Dabei wurden sie sich dessen bewusst, dass sie ein „Geschichtswissen aus sechster Hand“ besaßen, wie Philippi es formulierte. Von Sachkennern beraten – darunter Karl Kurt Klein, dessen Mentorat in einem Beitrag des Buches gewürdigt wird –,, kehrten sie an die Geschichtsquellen zurück, die in der neu aufgenommenen Reihe „Siebenbürgisches Archiv“ veröffentlicht wurden. Im vorliegenden Band nun wird detailliertes Wissen aus der siebenbürgischen Geschichte zumeist sozial-politisch eingebettet präsentiert. Zwei Beiträge, welche die 800-jährige Geschichte der (heute) Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien darstellen, stehen am Anfang des Buchs. Aus dem siebenbürgischen Mittelalter greift Philippi zum Beispiel die Frage nach den kirchlichen Rechten der Siebenbürger Sachsen aber auch die Bedeutung des Begriffs „Spital“ auf. Kirchenhistorisch interessante Details sind im Teil über die Reformationszeit zu finden wie auch im folgenden, welcher der Frage nach der frühen Religionsfreiheit gewidmet ist. Wissenswerte Fakten stellt Philippi in den Kapiteln über Neuzeit bis Gegenwart knapp dar, ebenso pointiert und nichts beschönigend die oft nur kurzen Wortmeldungen des letzten Teils, der unter dem Titel „Methodisches und Politisches“ letztendlich Identitätsfragen der Siebenbürger Sachsen und Siebenbürgens thematisieren. Land des Segens? Gesegnet allemal ist seine Geschichtsschreibung mit einem auf Grund eines umfassenden Wissens multidisziplinär denkenden und sozial-politisch argumentierenden Theologen.

 

aus der ADZ vom 11.02.2008

 

Philippi, Paul: Land des Segens? Fragen an die Geschichte Siebenbürgens und seiner Sachsen. Siebenbürgisches Archiv Bd.39, 384 Seiten, 23 cm, Kartoniert, 650g , in deutscher Sprache, 2007, Böhlau-Verlag, ISBN 978-3-412-20048-0

144 Lei / 37,90 EUR 

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Bischöfliche „Bonbons“ - Funde aus dem Nachlass von Friedrich Teutsch in einem Band vereint



aus der ADZ vom 07.02.08

 

hb. Hermannstadt – Als ein „köstliches Buch“ und ein „Bonbon“, d. h. etwas Süßes, das als Lebensmittel aber auch fast unnötig sei, bezeichnete Prof. Dr. Hermann Pitters „Blätter vergangener Tage. Fundstücke aus dem Nachlass des Bischofs Friedrich Teutsch“. Es ist der fünfte Band aus der Publikationsreihe „Miscellanea ecclesiastica“ des Zentralarchivs der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien und er wurde am Montagabend im Erasmus Büchercafé vorgestellt. Herausgeber der – man staune – Sammlung von Gelegenheitsdichtungen von Friedrich Teutsch (1852-1933) sowie Faksimile der Gästebuch-Liste sind Pfarrer Dr. Gerhard Schullerus und Dr. Wolfram Theilemann, der Leiter des Zentralarchivs. Erschienen ist das Buch im Hermannstädter Schiller Verlag. Dieses Buch stelle ein „Tüpfel“ dar in der Biografie und dem Werk von Friedrich Teutsch, sagte Dr. Pitters. Geplant war, aus Anlass der 100 Jahre seit der Wahl von Friedrich Teutsch zum Bischof der Evangelischen Kirche A. B. in Siebenbürgen (31. Oktober 1906) die damals gehaltene Antrittsrede zu veröffentlichen.

 

Teile dieser Ansprache sind in dem nun erschienenen Band enthalten. Doch lernt der Leser den profilierten Historiker und Theologen, der rund 1300 wissenschaftliche Veröffentlichungen aufzuweisen hat, nicht bloß als pflicht- und geschichtsbewussten Vorsteher seiner Gemeinschaft kennen, sondern auch als musisch begabten und sprachgewaltigen Freizeit-Verseschmieder sowie als geselligen Hausvater.

Kulturhistorisch interessant ist die Liste der Personen, die bei Friedrich Teutsch eingekehrt sind. Alles, was Rang und Namen hatte in der evangelischen Theologie zwischen Kiel, Krakau und Czernowitz um die Wende der vorigen Jahrhunderte, war bei Teutsch zu Gast. Zum Leidwesen von Dr. Pitters aber haben die meisten nicht selbst unterzeichnet, sondern der Gastgeber führte eine Art Gäste-Tagebuch. Offen stand das Haus des Bischofs sodann den Ordinanden, d. h. den ins Amt eingeführten Pfarrern, die mit ihren Geladenen nach der jeweiligen Ordination vom Bischof empfangen worden sind.

Die im Band vereinten Gedichte von Friedrich Teutsch wählte Dr. Gerhard Schullerus aus drei dicken handschriftlichen Bänden des Nachlasses und ordnete sie thematisch. Aus dem „Herzen in die Feder fließen“ (Schullerus) ließ Friedrich Teutsch u. a. Darstellungen zu Geschichte und Sagen, Selbstbeurteilungen, erlebte und erfüllte Liebe sowie Besinnliches. Und Dr. Schullerus trug bei der Buchpräsentation Kostproben daraus vor.

 

 

Gerhard Schullerus und Wolfram G. Theilemann (Hg.): Blätter vergangener Tage - Fundstücke aus dem Nachlaß des Bischofs Friedrich Teutsch

broschiert, 323 Seiten, Schiller-Verlag Hermannstadt 2007, 35 Lei / 10 EUR

 

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Über die Lesung Wittstock/Gündisch/Schlattener vom 18.01.08 schreibt die ADZ am 25.01.08:



 

Begegnungen mit deutschen und rumänischen Autoren
Lesereise geht nach Ende des Kulturhaupstadtjahres weiter

Von Hannelore Baier



Die Literaturwissenschaftlerin Christina Weiß hatte Siebenbürgen über die Literatur kennen gelernt. Als Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien besuchte sie im Herbst 2004 während eines Rumänien-Aufenthaltes auch die damals zukünftige Europäische Kulturhauptstadt. Als Bürgermeister Klaus Johannis sie nach einem möglichen Beitrag zum Kulturhauptstadtprogramm fragte, zog sie in Erwägung, die aus Rumänien stammenden und in Deutschland lebenden Autorinnen und Autoren in der Kulturhauptstadt lesen zu lassen.

Mit der Durchführung des Vorhabens wurde das Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa (BKGE) in Oldenburg beauftragt, welches zum Geschäftsbereich des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gehört. Durch den Regierungswechsel in Deutschland geriet das Projekt zunächst ins Stocken, wurde dann jedoch vom derzeitigen Kultur- und Medienbeauftragten Bernd Neumann aufgegriffen, der Hermannstadt/Sibiu Anfang Oktober besucht hat.

Im Vorfeld dieses Besuches fand im September ein Empfang von Autoren aus Rumänien im Bundeskanzleramt statt. Eingeladen worden waren nicht bloß in Rumänien geborene und in deutscher Sprache in Deutschland schreibende Autoren, sondern auch Deutschschreibende, die in Rumänien leben, sowie rumänische Autoren, die anhand ihrer ins Deutsche übersetzten Werke in Deutschland publiziert worden sind. Betreut wird das Projekt von Konrad Gündisch vom BKGD, Partner vor Ort sind die deutschen Kulturzentren bzw. in Bukarest das Schiller-Haus.

Denn Lesungen fanden und finden in der nun Ex-Kulturhauptstadt statt, aber auch in Klausenburg/Cluj, Bukarest und Temeswar/Timisoara. Und was für die Kulturhauptstadt gedacht war, strahlt nicht nur räumlich sondern auch zeitlich über diese hinaus. Und das ist sicher gut.
Begonnen hatte die auf fünf Veranstaltungen geplante Lesereise Ende November mit dem Hans Bergel gewidmeten Abend. Er las in der Moderation seines Übersetzers George Gutu. Es folgte die Hellmut Seiler und Dieter Schlesak gewidmete Veranstaltung, die von Georg Aescht moderiert wurde, dem Übersetzer von Filip Florian, der zu den deutschen Autoren hinzukam. Drei Leseabende blieben für die ersten drei Monate 2008: Im Januar fand jener von Eginald Schlattner und Joachim Wittstock statt, für Ende Februar (am 29. in Hermannstadt) ist die Veranstaltung mit Ernest Wichner und Nora Iuga in der Moderation von Stefan Sienerth geplant und Mitte März soll der bekannte rumänische Schriftsteller Mircea Cãrtãrescu in der Moderation seines Übersetzers Gerhard Csejka lesen.

Der Koordinator der Lesereise, Konrad Gündisch, ist Historiker. Nicht aus diesem Grund jedoch umfasste seine Einleitung zum dritten der Leseabende, welcher am vergangenen Freitag, im Erasmus-Büchercafé stattgefunden hat, einen Überblick auf die Geschichte der Deutschen in Rumänien seit 1944. Als Thematik war die literarische Aufarbeitung der Studentenzeit in den 1950er und 1960er Jahren in Klausenburg durch Schlattner und Wittstock angesagt, wobei jedoch nur der Letztgenannte in den Auszügen aus seinem im vergangenen Jahr veröffentlichten Buch „Die uns angebotene Welt“ auf die Atmosphäre in der Studentengemeinschaft der 1960er Jahre einging. Bei seiner Lesung wich er wiederholt vom veröffentlichten Text ab und ergänzte ihn mit Erläuterungen zu den Gestalten, zu welchen Eginald Schlattner gehört.

Schlattner hatte die literarische Lesung mit einem Auszug aus seinem dritten Roman „Das Klavier im Nebel“ begonnen. In dem vorgetragenen Text – der Besuch von Isabella und Clemens Rescher bei Dr. Tannenzapf – wird die Atmosphäre der 1950er Jahre geschildert, als sozusagen jede Geste und jedes Wort ideologisch interpretiert wurden. Die anschließende Diskussion war dieser Zeit, jedoch auch der Frage gewidmet, wie die in Rumänien lebenden und in Deutsch schreibenden Autoren zu bezeichnen sind. Diese Debatte hat selbst von Fachleuten keine eindeutige Antwort erhalten. Was die Lesereise angeht, so wird deutschsprachige Literatur aus oder mit Wurzeln in Rumänien geboten und rumänische Literatur, die dank ihrer Übersetzung in den deutschsprachigen Raum wirkt.

 

 

 

Hermannstädter Zeitung vom 18.01.2008:



Von Deutsch-Weißkirch bis Wurmloch...

 

Reiseführer „Siebenbürgische Gästehäuser“ im Schiller-Verlag erschienen

Neue Ausflugtipps und altbekannte Ortschaften in Siebenbürgen gibt Anselm Roth in seinem neu erschienenen Buch zu seinem Besten. Die siebenbürgischen Gästehäuser sind meist in Pfarrhäusern eingerichtet, im Herzen des Dorfes gelegen und auf jeden Fall eine kleine Reise wert.

Fast 60 Gästehäuser, die in ausgewählten ehemals sächsischen Städten und Dörfern im siebenbürgischen Hochland zu besuchen sind und die es zu entdecken gibt, befinden sich in diesem schön eingebundenen Buch. Die Gästehäuser sind keinesfalls Hotels im herkömmlichen Sinne sondern mit Liebe und Fleiss umgebaute Kirchen oder Kirchenburgen, Schulen und Pfarrhäuser.
Übersichtlich in fünf Kapitel aufgeteilt, finden sich folgende Regionen wieder: „Durch das Harbachtal nach Kronstadt“, „Von Hermannstadt westwärts“, „Im Herzen des Kirchenburgenlandes“, „Hinauf in den Norden“. Ein eigenes Kapitel ist den vom Mihai-Eminescu-Trust eingerichteten Gästehäusern gewidmet. Die Übersichtskarten der jeweiligen Region mit Nummer und Ortschaftsname versehen, erleichtern das Suchen.
Am Ende runden alphabetisch geordnet die Kontaktdaten der Unterkünfte mit Name und Telefonnummern, um bei Interesse auch im voraus einen Preis nachzufragen, die Informationen ab.
Eindrucksvolle Farbfotos fast aller dieser Gästehäuser lockern das Büchlein auf.
Durch die Detailliertheit und Anschaulichkeit der Wegbeschreibungen des Verfassers sowie der visuellen Eindrücke durch die Fotografien verfehlt man sein Ziel sicherlich nicht. Fast könnte man sich vorstellen, selbst mit auf der Reise zu sein...
Für alle Siebenbürgen-Fans ist dieses Buch ein Muß. Auch wer lediglich in die Schönheiten der malerischen Orte und Landschaften von Siebenbürgen eintauchen möchte, kann dies hiermit gerne tun, da der illustrierte Führer durch die erzählerische Art des Autors sehr flüssig zu lesen ist.
Wer möchte sich nun nicht auf den Weg machen, eine malerische Kirchenburg z. B. zwischen Deutsch-Weißkirch und Wurmloch zu erforschen? 
 
Brigitte MITZEL 
 
Anselm Roth: Siebenbürgische Gästehäuser. Mitarbeit: Rita Funk, Schiller-Verlag, 2007. 128 Seiten, ISBN 978-973- 88536-2-1. Schiller-Buchhandlung und Erasmus-Büchercafe in Hermannstadt, 56 Lei.

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Hermannstädter Zeitung vom 11.01.2008



Siebenbürgische Zeitung in Hermannstadt erhältlich



(entnommen aus der Online-Ausgabe des Siebenbuergers vom 14.12.2007)

 

Ab sofort ist die Siebenbürgische Zeitung, herausgegeben vom Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland e.V., im Büchercafe ERASMUS sowie in der SCHILLER-Buchhandlung und damit erstmals in Hermannstadt erhältlich. Der Erlös fließt dem Altenheim Dr. Carl Wolff als Spende zu.

 

Da es sich bei der Zeitung offiziell um ein Verbandsorgan handelt, wird kein Verkaufspreis, sondern eine Schutzgebühr von 7 Lei erhoben. Der Bundesgeschäftsführer des Münchner Verbandes, Erhard Graeff, vereinbarte mit den beiden Hermannstädter Buchhandlungen, dass die Einnahmen aus dieser Schutzgebühr einem guten Zweck in Hermannstadt zugute kommen sollen. Unterstützt werden soll nach dem Willen des Verbandsvorstandes das Altenheim Dr. Carl Wolff in der Str. Pedagogilor, dessen Leiterin Ortrun Rhein die Initiative erfreut zur Kenntnis nahm.

 

Die 1950 gegründete Siebenbürgische Zeitung erscheint 20 Mal im Jahr und erreicht bei durchschnittlich 28 Seiten eine Auflagenhöhe von 24.600 Exemplaren. Sie geht allen Mitgliedern des Verbandes in Deutschland und Österreich zu. Im europäischen Ausland kann sie für 40 Euro, in Übersee für 43 Euro im Jahr abonniert werden. Die Zeitung wird in 20 Ländern der Welt gelesen, sogar in Trinidad-Tobago und im Königreich Tonga! So genannte „Multiplikatoren“ in Siebenbürgen sowie Bibliotheken, Forschungsinstitute und offizielle Stellen in Deutschland erhalten sie kostenlos versandt . Das Blatt bietet neben Verbandsnachrichten und einem umfangreichen Anzeigenteil zahlreiche von eigenen Korrespondenten verfasste Nachrichten aus Siebenbürgen und dem Altreich Rumänien, was sie auch für hier ansässige Leser interessant macht. Neben der gedruckten Ausgabe erfreut sich im Zeitalter des Internet auch die Online-Ausgabe "siebenbuerger.de"; sowie der gleichnamige "Newsletter "wachsender Beliebtheit. Und last, but not least bietet das von Webmaster Günther Melzer aus Drabenderhöhe ansprechend gestaltete "Siebenbürger Shop-Portal" das derzeit wohl umfassendste Angebot siebenbürgisch-sächsischer Literatur.

 

 

Zur Lesung von Lutz Rathenau am 16.11.07 im ERASMUS schreibt die ADZ:



Wie Berlin sich verberlinert

 

Lutz Rathenow las im Teutsch-Haus aus seinem Buch „Ost-Berlin“

Von Thomas Trappe

 

Interessiert es jemanden in Hermannstadt/Sibiu, wie es vor 1990 in Ost-Berlin aussah? Können einem Rumänen die Lebensgefühle eines ehemaligen DDR-Dissidenten irgendwie nahe gehen? Die Fragen standen sicher im Raum, als der Schriftsteller Lutz Rathenow am vergangenen Freitagabend im Teutsch-Haus eine Lesung gab. Und sie können nicht eindeutig beantwortet werden: Ja, alle Stühle waren besetzt, aber von Deutschen, Rumäniendeutschen oder Kollegen, Joachim Wittstock zum Beispiel. Es war eine deutsche Lesung für ein deutsches Publikum. Ob es auf Desinteresse der Rumänen schließen lässt, bleibt offen.

 

Rathenow las aus seinem Buch „Ost-Berlin“, das bereits 1987 in Westdeutschland erschienen war und 2005, versehen mit dem Untertitel „Leben vor dem Mauerfall“, erneut aufgelegt wurde. Das Buch war und ist dabei eine Koproduktion. Gleichberechtigt neben den anekdotenhaften Texten von Ra-thenow sind die wahrlich sehr aussagekräftigen Schwarz-Weiß-Bilder von Harald Hausmann gestellt. Es war Lutz Rathenow während der Lesung anzumerken, dass er bestrebt war, stets Bezüge der Ost-Berlin-Texte zu Rumänien herzustellen, die Zeitgeschichte zweier trotz kommunistischer Prägung doch sehr unterschiedlicher Länder zu verknüpfen. „Es gab viele strukturelle Ähnlichkeiten zwischen der DDR und Rumänien. Nur an der Spitze, da hatten Sie ein Original!” Trotzdem: Vor allem war es eine Lesung über eine Stadt, die einmal aus zwei Teilen bestand und heute immer noch eine Identität sucht.

 

Wer eine der in Deutschland sich langsam zur Epidemie auswachsenden Ostalgie-Veranstaltungen erwartete, wurde bei der Lesung glücklicherweise enttäuscht. Rathenow verwahrte sich dann auch dagegen, seine Texte in die Kategorie „DDR-Aufarbeitung“ einzuordnen. Dieser Begriff impliziere auch immer, die Geschichte zu beschönigen, sie von dunklen Flecken zu bereinigen. Daraus eine Ablehnung des Lebens in Ost-Berlin zu interpretieren, greift aber auch zu kurz. Rathenow fasst diese Ambivalenz im einleitenden Essay zusammen: Das Buch war zum Zeitpunkt seiner Veröffentlichung „eine Art der Liebeserklärung an eine Stadt, die wir zugleich als Hälfte einer geteilten Stadt und doch als neues Ganzes wahrnahmen. Wir liebten Ost-Berlin und lehnten die Regierung und ihre Art des Regierens ab.“

 

Berlin ist – jeder, der die Metropole mal länger erleben durfte, weiß es – alles andere als eine monolithische Stadt. Anders als bei Hamburg, München oder Leipzig fallen eindeutige Charakterzuschreibungen schwer (wiewohl sie auch bei allen Städten meist nicht wirklich zutreffen). Auch im Berlin von 2007 ist die Teilung der Stadt nach wie vor spürbar, der Westen verostet, der Osten verwestet – Berlin verberlinert sich. Rathenow ist sich sicher, dass das Zusammenwachsen beider Hälften den Reiz der Stadt nur erhöht, Reibung ermöglicht. „Während Deutschland über seine multikulturellen Perspektiven diskutiert, lebt Berlin diese längst.“ Auch Ost-Berlin, vor 1990 offiziell nur als „Berlin – Hauptstadt der DDR“ bekannt, habe seine Identität zum größten Teil aus seinem permanenten Westbezug gespeist. Der „Anbau“ West-Berlin als „Resonanzraum“, wie es Rathenow ausdrückte, ermöglichte Ost-Berlinern ein freieres Leben als anderen DDR-Bürgern; vor allem wegen der permanent wachsamen und anwesenden West-Journalisten.

 

Die rund zwanzig Gäste der vom Deutschen Kulturzentrum Hermannstadt organisierten Lesung erlebten einen Autor, der weder belehrend noch missionierend auftrat. Durch das möglichst unmittelbare Darstellen von Alltag in Ost-Berlin ermöglichte es Rathenow den Zuhörern, ihr eigenes Bild zu entwerfen, auch vor der Zerstörung liebgewordener Klischees schreckte er nicht zurück. Das Verständnis von DDR hat diese Lesung vielleicht gar nicht erreichen wollen. Aber die Stadt Berlin, vielmehr die aktuelle denn die von vor 20 Jahren, zu begreifen, das machte Rathenow möglich.

 

ADZ vom 23.11.07

 

 

Nach der Lesung Dieter Schlesaks im ERASMUS am 23.09.2007 erschien in der ADZ vom 28.09.2007 das folgende Interview mit dem Schäßburger Schriftsteller:



„Das Verbrechen ist so unvorstellbar“
Gespräch mit dem Schriftsteller Dieter Schlesak über sein Buch „Capesius, der Auschwitzapotheker“



Dieter Schlesak gehörte zu den Schriftstellern, die am vergangenen Wochenende im Rahmen des Kolloquiums „Die Ich-Erfahrung in der europäischen Literatur“ in der Evangelischen Akademie Siebenbürgen in Hermannstadt/Sibiu über ihr Werk referierten und Auszüge daraus vortrugen. Am Sonntagabend las Schlesak im Erasmus-Büchercafé aus seinem vorletzten Buch „Capesius, der Auschwitzapotheker“, das 2006 im J.H.W.Dietz –Verlag in Deutschland 2006 erschienen ist. „Es war und ist für mich das schwierigste Buch“, sagte Schlesak. Dreißig Jahre lang trug er Dokumentarmaterial dazu zusammen. Jedoch: „Antworten sind auch nach der Recherche unmöglich.“

Dr. Viktor Capesius war Apotheker in Schäßburg/Sighisoara und Vertreter der Firma Bayer, bevor er als SS-Offizier nach Auschwitz kam. Im Frühsommer 1944 wurden auch die Juden aus Siebenbürgen deportiert. An der Rampe stand Capesius, den sie seit Jahren kannten. Er schickte sie kaltblütig ins Gas und bereicherte sich an ihrer Habe. Bis zu seinem Tod betrachtete Capesius sich als unschuldig. Er hatte nur seine Pflicht getan.

Der Dichter und Essayist Dieter Schlesak wurde 1934 in Schäßburg geboren, studierte Germanistik in Bukarest, wo er vor der 1969 erfolgten Übersiedlung in die Bundesrepublik Deutschland u.a. Redakteur bei der Zeitschrift „Neue Literatur“ war. „Onkel Vic“ kannte er aus seiner Kindheit. Das Buch ist eine Kollage aus Dokumentation, Rückblende und Erzählung und erst nach dem Tod seiner Eltern erschienen. In Hermannstadt ist das Buch im Erasmus-Büchercafé erhältlich.

Schlesak ist Mitglied des Deutschen P.E.N.–Zentrums und anderer Schriftstellervereinigungen. 2005 gründete er in Schäßburg einen Verein, der sich für den interethnischen Dialog in Rumänien einsetzt. Kürzlich wurde ihm der Maria-Ensle-Preis zugesprochen, die Verleihung der Auszeichnung findet im November in Stuttgart statt.

 

Wann haben Sie begonnen, sich mit dem Thema Nazi-Vergangenheit zu beschäftigen?

Gleich nach der Ankunft in Deutschland. In dem Moment, wo ich in diesem Land war und mich ihm zugehörig gefühlte, war ich auch für die Vergangenheit – wie alle anderen – mit verantwortlich, während ich in Rumänien ein Opfer war. In Deutschland kam ich in eine ehemalige „Tätergemeinschaft“, so dass dann alles - die Vergangenheit der Siebenbürger und die meiner Familie - ganz heftig auf mich zukam. Es sind fast 40 Jahre her.

Wieso identifizierten Sie sich in Rumänien mit der Opfergemeinschaft?

In Rumänien habe ich Securitate und Zensur erlebt. Die Angst kam in Deutschland dann nochmals hoch als ich die innere Zensur langsam ablegen konnte. In meinen Büchern habe ich über beide Diktaturen geschrieben. Die Opfer- und Tätergeschichten habe ich erstmals in „Vaterlandstage“ zusammen verarbeitet. Zu ihnen waren die Traumata des Heimatverlusts, des Heimwehs, der westlichen Welt und ihrer Diktatur des Geldes, die einen Autor empfindlich treffen musste, dazu gekommen.

Man könnte meinen, Sie hätten sich in Deutschland des Themas Nazi-Vergangenheit angenommen, weil sich das gut verkauft und gefragt ist ...

Psychisch war uns die faschistische Diktatur in Rumänien nicht nah. In meiner paradiesischen Kindheit habe ich die Nazizeit nicht gespürt, aber sie lief im Hintergrund ab. Nur langsam nahm ich zur Kenntnis, was die guten Onkels getan hatten, die mich auf den Knien hielten und Hoppe-Hoppe-Reiter mit mir spielten oder unter dem Weihnachtsbaum Geschenke auspackten. Außerdem war man in Rumänien vom auferlegten Antifaschismus angeekelt. Es herrschte eher eine Abwehr dagegen, als dass man sich da reinkniete. Das hat mit dazu gehört, dass man sich in Siebenbürgen damit nicht beschäftigt hat.

Das Thema beschäftigt mich seit vierzig Jahre als wachsendes Trauma zutiefst vor allem darum, weil es meine Familie angeht. Vier meiner Verwandten waren in den Lagern. Außer Capesius war da der Roland Albert, ein Enkel des Dichters Michael Albert, der ein Cousin meiner Mutter ist. Dann ein Bruder meiner Mutter, der in Dachau war und der beim Aufstand in Buchenwald erschlagen wurde. Der eigentlich dagegen gewesen war, sich aber auf Druck der Familie zur Waffen-SS gemeldet hatte. Das sind die Ursachen meines Schreibens. Ein anderer Grund ist, dass ich ja zu dieser Generation mitgehöre. Ich habe die gleiche Sozialisation mitgemacht auch wenn ich zu jung war um eingezogen zu werden. Es haben nur sechs – acht Jahre gefehlt und ich wäre auch in diese Mühle hineingekommen und es wäre mir genauso ergangen, wie den anderen.

Nun ist es aber heute leicht, diese Generation zu be- und verurteilen ...

Ich versuche mich hineinzubegeben in den Zustand, der damals geherrscht hat. Ich unternehme keine Rechtfertigung sondern einen Erklärungsversuch. In der Psychiatrie gibt es den Begriff der Zustandsgrenze: Tritt man aus dem Traum- in den Wachzustand, dann vergisst man alle Träume und so kann man auch aus dem Nazisystem raus kommen und vergessen, was damals geschehen ist. Im Buch habe ich das zum Beispiel an meinen Eltern dargestellt: Ich habe ihnen Familienbriefe gezeigt, die mein Onkel aus dem Lager Neuengamme geschrieben hatte und da stand das Wort „Auschwitz“ viele Male. Das habe ich ihnen gezeigt und gefragt, wieso sagt ihr, ihr habt davon nichts gewusst? Da sagten sie schau, das haben wir doch gelesen, aber das war doch ein anderes „Auschwitz“. Sie haben es einfach nicht wahrgenommen.

Sie schildern die Persönlichkeit des Apothekers Capesius sehr eindrucksvoll, der Ihnen als Kind in der Apotheke Pfefferminzbonbons gab und andererseits tausende Kinder in den Tod schickte. Handelt es sich um eine schizoide Persönlichkeit?

Ich glaube, dass bei der Männergeneration der damaligen Zeit eine solche Schizoidie vorhanden war. Dass sie als Familienväter anders waren, als im Dienst, in der Öffentlichkeit. Mein Vater war ein netter und höflicher Mensch, wenn es aber um die Sozialisation des Kindes ging und die Öffentlichkeit, die sich da einmischte, dann konnte er wahnsinnig hart sein. Und prügelte.

Capesius rechtfertigt seine Taten damit, ein Befehl müsse durchgeführt werden.

Ja, und er sagt: „Wie zu Hause. Befehl ist Befehl. Man muss gehorchen. Ohne Widerrede.“ Das kenne ich aus meiner Kindheit wunderbar. Dieses „ohne Widerrede“ war wahrscheinlich in Siebenbürgen noch viel schlimmer als in Deutschland. Und der Deutschtum-Wahn auch.

Viele Siebenbürger Sachsen sind empört über diese „Bloßstellung“ eines Sachsen durch einen Sachsen oder eines Schäßburgers durch einen Schäßburger ...

Wenn es um überschaubare, soziale normale Dinge gegangen wäre, hätte ich darüber nicht geforscht und geschrieben. Aber dieses Verbrechen ist so über alle Maßen unvorstellbar, dass da Schäßburg überhaupt keine Rolle spielt. Nicht mal ein Gericht kann richtig urteilen über die metaphysische Tiefe dieses Verbrechens. Es geht nicht mal mehr um Europa oder Deutschtum, sondern um etwas, was jede Vorstellung überschreitet und jede Möglichkeit, sich erkenntnismäßig, gefühlsmäßig oder institutionell dieser Sache so anzunehmen, dass man es bewältigen könnte oder damit umgehen kann. Auch mit Literatur nicht. Ich habe alles mögliche versucht, aber die einzige Form war diese Kollage, um auch in der Sprache genau darzustellen, dass die Komplexität des Geschehens jede Darstellbarkeit überschreitet.

Andererseits hätte kein anderer ein solches Buch zusammenstellen können, weil Sie einen so direkten Zugang hatten zu diesen Personen.

Ich habe mich als ein Zeitzeuge verpflichtet gefühlt, dieses Buch zu machen. Ich bin nicht der Einzige, der das über seine Familie getan hat. Die Enkelin von Himmler hat ein Buch geschrieben über ihren Großvater. Die Enkelin von Roland Albert – der im Buch sehr ausführlich vorkommt – will einen Film drehen über ihren Großvater. Es ist natürlich ein unheimlicher Abgrund zwischen dem guten, gefühlvollen Onkel und Großvater und diesen Taten. Es ist nicht leicht, diese Brücke zu bauen.

Dieses Buch mit der Aufarbeitung der Nazi-Vergangenheit der Siebenbürger Sachsen kommt sehr verspätet. Sie sind Teil der deutschen Gemeinschaft und waren Teil der deutschen Geschichte in ihrer grässlichsten Tiefe, in ihrem Abgrund und Verbrechen, und sie haben genau wie die Deutschen in Deutschland die Pflicht auf sich genommen, diese Vergangenheit aufzuarbeiten, um dieses Land so zu tragen, wie es heute exemplarisch ist. Deutschland ist heute eine Brücke zwischen Ost und West und ohne Deutschland und die Aufarbeitung der Vergangenheit wäre dieses Europa nicht möglich. Man muss in diesen Kategorien denken und nicht in der Kategorie des Schäßburger-Seins.

(Das Gespräch führte Hannelore Baier.)

 

 

Der Focus vom 17.09.2007 beschäftigt sich in seiner Titelgeschichte mit dem Thema Auswanderung:



Die ADZ berichtete am 12.09.2007 über unsere neue Bestsellerliste:



zur Lesung von Joscha Remus auf dem großen Ring (31.08.07) schreibt die HZ am 07.09.07:



ZIARUL de SIBIU gibt einen (etwas DIVERTA-lastigen) Überblick über die Hermannstädter Buchhandelsszene:



Sibienii încă mai citesc

 

 

 



Surprinzător, mulţi sibieni arată un interes crescut pentru lectură. În “epoca” în care se presupune că televizorul şi calculatorul – în special - au pus stăpânire pe “creierul” oamenilor, o vizită la librărie, carte răsfoită şi mai apoi cumpărarea ei devin o relaxare şi o plăcere în petrecerea timpul liber. Asta spun majoritatea celor pe care i-am surprins cumpărând o carte în vreuna dintre librăriile din Sibiu.

Beletristica pe primul loc

În medie, în librăriile din centrul Sibiului intră pe zi cam 2-300 de oameni care sunt interesaţi şi chiar cumpără carte – în funcţie de domeniul de care sunt interesaţi. Astfel, beletristica este în topul preferinţelor cititorilor, urmată de cărţile de prezentare a Sibiului – suveniruri pentru turişti – şi cărţile de specialitate. Chiar dacă preţurile sunt destul de piperate – se poate ajunge la sume de 60 lei pentru o carte – mulţi dintre cei pentru care cartea şi-a păstrat secretele cumpără cel puţin una pe lună. Maria Moga de la Libraria Humanitas spune că impresionantă este prezenţa tinerilor în librării – chiar dacă nu dispun mereu de bani pentru achiziţionrea cărţilor dorite aceştea pot măcar să le răsfoiască. De asemenea ofertele speciale sunt foarte des căutate de cei care nu au buzunarul foarte larg. De exemplu, se pot achiziţiona cărţi chiar şi cu 4 sau 5 lei, sau cărţi la jumăte de preţ.

Diverta se extinde

Un lanţ de librării se află în plină expansiune în Capitala Culturală. Vorbim despre reţeaua de librării Diverta. Numai în centrul oraşului se pot găsi trei astfel de librării. Cea de pe Nicolae Bălcescu este căutată în mod special pentru papetărie şi produse media (muzică şi film), în timp ce Librăria Dacia Traiana îşi axează vânzările pe carte. Iar cum marketingul este important chiar şi pentru o librărie, topul cărţilor căutate de sibieni te întâmpină încă de la intrarea în librărie, unde tronează deasupra tuturor, cartea lunii. Pentru cartea lunii august : “Orbitor -Aripa dreaptă” a lui Mircea Cărtărescu iubitorii de carte trebuie să scoată din buzunar în jur de 40 de lei, însă aceasta nu reprezintă un impediment în a transforma cartea într-un best-seller.

Sediu nou pe Mitropoliei

Un nou sediu al librăriilor Diverta se afla pe strada Mitropoliei, o librărie retrasă, în care spaţiul te trimite cu gândul la bibliotecile din secolele XVII – XVIII, asta datorită stilului gotic în care este contruită casa şi a frescelor ce s-au găsit pe pereţi, datând din anul 1600. Librăria Schiller din Piaţa Unirii poate fi numită o librărie a turiştilor: sute de turişti intra aici pentru a-şi achiziţiona hărţi, atlase şi chiar cărţi de literatură, majoritatea cărţilor fiind în limba germană. Singura librărie-cafenea din Sibiu dă ocazia oamenilor să bea o cafea şi să răsfoiască în acelaşi timp şi cartea dorită. Libraria Erasmus oferă posibilitatea de relaxare la cafeneaua din interiorul librăriei cât şi la terasa din curte, citind o carte care poate fi cumpărată sau doar răsfoită. Familiile cu copii preferă această librărie datorită spaţiilor special amenajate pentru cei mici şi micul parc din curte. Interesul pentru lectura în Sibiu este înca la un nivel ridicat, oamenii încă sunt interesaţi de cărţi, de achiziţionarea acestora – relatează angajaţii librăriilor care se declară mulţumiţi de vânzările pe care le au zi de zi şi de numărul de oameni de care sunt vizitaţi. (A. M.)

Data aparitiei: 2007-08-08


aus der ADZ vom 7. August 2007:



 

 

 

Ansichtskarten aus Kerz



18 Ansichtskarten, gewidmet dem Thema Kerz und seiner Tradition, verlegte die „Initiative Kerz“, ein loser Zusammenschluß von Kerzern in der ganzen Welt, die um die Pflege des Kulturerbes ihres Heimatortes bemüht sind. Fünf der Karten erinnern an den Mundartdichter der Siebenbürger Sachsen Viktor Kästner (1826-1857), geboren in Kerz, dessen Todestag sich heuer zum 150. Mal jährt. Eine der Karten wurde auch dem Humoristen Karl Gustav Reich (1905-1997) gewidmet. Verwendet wurden die Bilder von bekannten Künstlern und Fotografen: Trude Schullerus (Bildnis Viktor Kästners), Franz Pindur (Porträt Heinrich Kästners, Westportal der Zisterzienserabtei), Theodor Glatz, J.H. Briegel, Josef Fischer, Viktor Mysz, Juliana Fabritius-Dancu, Horst Ganea, Georg Gerster, Fred Nuss, Horst Buchfelner, Oswald Kessler, Friedrich Schuster, Kurt Fuss. Die Ansichtskarten sind in Kerz (Pfarrhaus) und Hermannstadt (Schiller-Buchhandlung und Erasmus-Büchercafé) zu finden. (SF)

aus: Hermannstädter Zeitung vom 27.07.2007

 

 

 

MDR-Beitrag von Grit Friedrich:



Liana Kielhorn kehrte nach 13 Jahren in Deutschland zurück nach Rumänien. In Sibiu betreibt sie das einzige Büchercafé, das deutsche und rumänische Literatur zusammen anbietet.

Rechte: Grit Friedrich

 

 

 

 

Aya Bach in der Deutschen Welle vom 11.06.2006



 

Rumänien | 11.06.2007

 

Das literarische Leben der Siebenbürger Sachsen

Gut 800 Jahre ist es jetzt her, dass die diesjährige Kulturhauptstadt Europas, das rumänische Sibiu (= Hermannstadt) gegründet wurde. Eine Siedlung von Deutschen, die geholt wurden, um das Land zu verteidigen. Sie bekamen damals versehentlich den Namen "Sachsen", und so nennen sich heute noch die Deutschen, die seit Generationen in der Region leben: Siebenbürger Sachsen. Sie entwickelten mit der Zeit ein reiches kulturelles Leben. Und eine deutschsprachige Literatur mitten in einer Gegend, die heute zu Rumänien gehört. Sibiu - Kulturhauptstadt Europas 2007

Aber viele Autoren - und ihre Leser - flohen vor dem rumänischen Regime, und nach dem politischen Umbruch folgten in einer großen Ausreise-Welle fast alle anderen: Die verbleibenden Büchermenschen unter den Siebenbürger Sachsen sind nur noch wenige. Damit könnte ihre Literatur, sogar ihre gesamte Kultur in Hermannstadt, kurz vor dem Ende sein. Aber vielleicht wird auch alles ganz anders.

Eigene Wurzeln

Das Büchercafé Erasmus. Ein großzügiger Raum, durch weite, bogenförmige Fenster fällt Tageslicht. Schüler, Studenten, auch ein paar Touristen sitzen hier. Man kann in Ruhe stöbern, lesen, und einen Milchkaffee trinken. Und natürlich Bücher kaufen: deutsche, rumänische und sogar englische Titel. Das ist neu für Hermannstadt. Die Idee hatten vor knapp zwei Jahren Jens und Liana Kielhorn. Sie ist Rumänin, er stammt aus Bonn, in Hermannstadt haben sie beide keine Wurzeln. Aber sie haben hier mit ihrem Konzept einen Nerv getroffen.

Daten und Fakten zu Rumänien

Das Café ist auch ein Treffpunkt der intellektuellen Deutschen hier geworden, der Siebenbürger Sachsen. Gerade ist Udo-Peter Wagner gekommen. Er ist Ende sechzig, wirkt lebenslustig und voller Energie, bequem gekleidet sitzt er an einem der kleinen Cafétische. Er ist fester Bestandteil der Hermannstädter Literaturszene. Der Literaturdozent hat miterlebt, wie über 90 Prozent seiner sächsischen Mitbürger nach dem Umsturz von 1989 das Land verlassen haben - da werden die eigenen Wurzeln immer wichtiger. Denn es ist die große Frage, ob die Kultur der Siebenbürger Sachsen, und damit auch ihre Literaturszene, noch eine Zukunft hat.

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Die Perspektiven scheinen gering. Und doch gibt es Anzeichen dafür, dass hier nicht einfach etwas zu Ende geht. Das Büchercafé Erasmus zum Beispiel hat mit seinem Angebot einen Notstand beendet. Inzwischen ist der lang ersehnte Austausch mit dem Westen wieder da, und dank des Büchercafés Erasmus sind sogar die Bücher in Hermannstadt zu kaufen - zum gleichen Preis übrigens wie in Deutschland, die Transportkosten übernehmen die Buchhändler selbst. Das Büchercafé Erasmus ist nicht der einzige Hoffnungsschimmer für die deutschsprachige Kultur in Siebenbürgen. Zwar sind die meisten Autoren weggegangen, aber einige kommen auch zurück. Andere kommen neu aus Deutschland, ohne hier familiär verwurzelt zu sein. Sich als Europäer oder Weltbürger zu verstehen, die Chance haben die Bücher-Menschen in Hermannstadt inzwischen mehr denn je. Das Büchercafé von Jens Kielhorn ist nur ein Beispiel dafür, wie die Zukunft der deutschsprachigen Kultur in Siebenbürgen aussehen könnte. Mit der Vergangenheit im Rücken etwas völlig Neues zu gestalten, das wird die Aufgabe für die kommenden Jahre sein.

 

Aya Bach 

 

 

Gefunden auf www.sibiupeople.ro:



 

Erasmus Bücher-Café

 

Erasmus ist das einzige Bücher-Café in der Stadt, das einzige und jedoch das beste. 

Dieser Ort ähnelt einem Klavierlied. Die weißen Wände, welche von Regalen mit allerlei Büchern liniert werden, sind im Violinschlüssel, die Stühle, die Tische und die Bar, dagegen, im Basschlüssel. Die Harmonie wird von Coldplay, U2, Bruce Springsteen, Weltmusik und sonstiges gestimmt. 

 

Das Menü ist einfach, aber der Kaffee und der Tee sind ausgezeichnet und  nicht besonders teuer. Ehrlich zu sein, brauche ich nicht etwas kompliziertes zu trinken, ich habe ja das Nötige: Licht, den Geruch alter und neuer Bücher von Teegeruch umfangen, die Sahne des Frappes, verflechtete Stühle und Musik. 

“Das Café ist also für enthaltsame, düstere, misanthropische Leute”.- Falsch!

Das Lokal ist mit zwei Spielplätzen für Kinder vorgesehen (drinnen und draußen), übrigens gibt es auch einen wohl erzogenen Hamster, der beim Lesen nicht stört.

 

Gefunden auf der Homepage des Sprachkreises Deutsch, Bern:




Wo man (noch) gutes Deutsch spricht
Über das Wunder von Hermannstadt, der Kulturhauptstadt 2007

Bis zum Jahr 1999 ging es in Hermannstadt bachab: Das Stadtbild der einstigen Perle Siebenbürgens, die am Rande der Kaparten in Rumänien liegt, war hoffnungslos heruntergekommen, ihre Infrastruktur marode, und die Arbeitslosigkeit lag bei über 20%. Der Alltag der Bevölkerung war beschwerlich, vor allem durch den Verdruß, den ihr die unfreundliche, bürokratische Stadtverwaltung bereitete, die von zahlreichen korrupten und inkompetenten Politikern geleitet wurde.

In dieser scheinbar aussichtslosen Situation  entschied sich die Wählerschaft, bestehend aus einer Mehrheit von 95% Rumänen,  zu einem außergewöhnlichen Schritt, der wohl einen Präzedenzfall in der Menschheitsgeschichte darstellt: Sie wählten den Kandidaten der Partei der deutschsprachigen Minderheit, die nur noch ein Prozent der Bevölkerung ausmacht, zum Bürgermeister. In der Not hatte man sich der deutschen  Sekundärtugenden wie Fleiß, Sauberkeit und Ordnung besonnen, aber es waren vor allem die Primärtugenden, wie Wahrheitsliebe, Dialogfähigkeit und Unbestechlichkeit,  die gefragt waren, um die Verwaltung wieder in Schuss zu bringen.

Im Jahr 2000 wurde also FDGR-Kandidat Klaus Johannis, seines Zeichens  Physiklehrer,  zum Bürgermeister der 160’000-Einwohnerstadt gewählt, die übrigens rumänisch Sibiu heißt.

Der Bevölkerungsanteil der deutschsprachigen siebenbürger Sachsen machte in den 20er Jahren mit über 20.000 Menschen die Mehrheit der Stadtbevölkerung aus, welche seitdem  durch Emigration in die mitteleuropäischen Kernstaaten Österreich, Deutschland und Schweiz stetig zurückgegangen ist. Während der kommunistischen Zeit wurde diese Entwicklung durch die Regierung Helmut Schmidts, die dem Unrechtsregime Ceausescu  8000 DM pro Ausreisewilligen zahlte in absurder Weise zusätzlich verstärkt. Die nächste Ausreisewelle kam dann nach der Wende Anfang der 90er.

Doch Klaus Johannis wollte seine geliebte Heimatstadt, in der er aufgewachsen ist und sich wohlfühlt, nicht verlassen, nur um durch die deutsche Regierung abgekauft zur werden. Zudem ist Johannis mit einer Rumänin verheiratet, was ihm, nebenbei erwähnt, auch bei seiner Wahl zum Bürgermeister geholfen haben mag.  

Seit seiner Wahl im Jahr 2000 hat sich in Hermannstadt viel verändert: Alle wesentlichen Probleme wurden behoben: Durch Bekämpfung von Korruption und Misswirtschaft war plötzlich mehr Geld im Etat vorhanden, das für die Sanierung des Stadtbildes und der Infrastruktur eingesetzt werden konnte. Die Verwaltung wurde umorganisiert, sodass sich keine Schlangen an den Schaltern in den Ämtern mehr bildeten. Die Freundlichkeit der Beamten steigerte sich merklich.

Dies alles führte dazu, dass 2004 auch im Kreisrat die deutschsprachige Minderheit zur Mehrheit wurde. Gleichzeitig wurde Klaus Johannis mit einem Traumergebnis von fast 90% in seinem Amt bestätigt. Die Begeisterung der Bevölkerung über den Aufschwung der Stadt war förmlich zu spüren, und mittlerweile erzählen die rumänischen Bürger den Touristen, die fragen, wo denn noch siebenbürger Sachsen in der Stadt anzutreffen seien den Witz: „Die sind alle im Stadtrat“.

Der Aufschwung blieb nicht ohne Folgen. Er führte zur Gemeinschaftsbewerbung Hermannstadts zusammen mit Luxemburg um den Titel Kulturhauptstadt 2007. Die Bewerbung war erfolgreich, und so stehen in diesem Jahr zahlreiche kulturelle Veranstaltungen auf dem Programm. Aber auch sonst hat Hermannstadt viel zu bieten: Die wunderschöne Altstadt mit der 800 Jahre alten Festung, das ehrwürdige Brukenthal-Museum  mit Gemälden unter anderem von Dyks, Rubens, Cranach und Rembrandt, das ethnographische Museum, das Stadttheater- und die Staatsphilharmonie, sowie eine schöne Umgebung mit vielen mittelalterlichen Wehrkirchen und neuerdings auch zahlreichen Naturschutzgebieten.

Dies alles klingt natürlich verlockend, und so mancher Journalist hat sich vorab schon mal einen Eindruck von der Stadt verschafft. Neben einem deutschsprachigen Lyzeum, das  mittlerweile auch von Rumänen, die eine zweisprachige Erziehung wünschen, besucht wird, gibt es die zu Gottesdiensten stets gefüllte evangelische Stadtpfarrkirche, welche einen Kontrast zu den von Rumänen besuchten russisch-orthodoxen Glaubenshäusern bildet.

Besonders interessant ist der Besuch einer Predigt vom sprachlichen Standpunkt aus gesehen: Der Zeit-Journalist Burkhart Straßmann schildert nach einem Besuch seinen Eindruck von dem dort gesprochenen Deutsch*:

Wie weich Pfarrer Junesch das »r« rollt: Daran erkennt man den »Sachsen«. Sachsen – mit scharfem »S« am Anfang – werden aus unerforschlichen Gründen alle Deutschen gerufen, die im Laufe der Jahrhunderte von sonstwoher nach Transsilvanien/Siebenbürgen kamen, aus Sachsen jedenfalls nicht. Eher aus Luxemburg, was ein wenig die Koppelung der Kulturhauptstädte Luxemburg und Sibiu erklärt. Es gibt immer noch »Sachsen«, die sich mit Luxemburgern in einem dem Moselfränkischen ähnelnden Dialekt unterhalten können. Was sie aber alle können: Deutsch, ein wunderliches, altväterliches Deutsch, in dem es um »Brotverdienen« und »Geradstehen« geht und sämtliche Anglizismen fehlen. Ungefähr so sprach man im Westen zu Adenauers Zeiten, als sich Frauen noch zum »Kränzchen« trafen.

Straßmann greift das Thema Sprache bei einem Besuch der Hermannstädter Zeitung, der deutschsprachigen Wochenzeitung, wieder auf: In der Redaktion wird gerade diskutiert, ob man das Wort Brainstorming in die Zeitung schreiben darf. Die Leserschaft ist sensibel, was Sprachimporte angeht. »Meist übersetze ich das«, sagt Beatrice Ungar. Die Chefredakteurin ist eine untypische Deutsche: Als Tochter eines Sachsen und einer Ungarin war sie schon als Kind, wie sie sagt, »exkommuniziert«. Die sächsische Gesellschaft hatte sich über die Jahrhunderte nur durch rigide Abschottung erhalten können; wer gegen ihre Gesetze verstieß – und Mischehe war eins der schlimmsten Vergehen –, wurde ausgestoßen. Warum ist Frau Ungar noch da? Vor 1990 wollte sie sich von der bundesdeutschen Regierung »nicht abkaufen lassen«. Und danach war es viel zu spannend in Rumänien. Früher musste sie seitenlang Ceausescu im O-Ton drucken. Jetzt will sie »die Pressefreiheit auskosten«.

Was natürlich vom Journalisten etwas despektierlich als wunderliches, altväterliches Deutsch beschrieben wird, ist im Grunde ein hinter dem eisernen Vorhang konserviertes, von der westlichen Sprachvermüllung bewahrtes gutes Deutsch.

Aber auch die Kultur und Werte, die in den deutschsprachigen Staaten Mitteleuropas durch die anglo-amerikanische  Umerziehung gelitten haben, scheinen in Hermannstadt (noch) intakt. Die Haupteinkaufsstraßen haben viele Einzelhändler und sind frei von den immergleichen Kaufhaus-Ketten, die man in jeder westlichen Stadt antreffen kann.
Der Exodus der Deutschsprachigen ist zum Erliegen gekommen, und langsam ziehen auch wieder einige Menschen aus den deutschen Kernstaaten nach Hermannstadt, was vom Journalisten Straßmann im folgenden Abschnitt auch mit kulturellen Gründen in Verbindung gebracht wird:

Die Zahl der zurückkehrenden Sachsen ist gering. Aber es gibt die eingeflogenen Mitarbeiter deutscher Firmen, denen es hier behagt. Und die Pioniere. Die Neusiedler.

So einer ist Jens Kielhorn. Kielhorn kommt aus Bonn, wo er als Betriebsleiter einer privaten Eisenbahngesellschaft tätig war. Nun sitzt er mit seiner rumänischen Frau und zwei Kindern in Hermannstadt und betreibt das Büchercafé Erasmus und demnächst die neue Schiller-Buchhandlung. Das Café ist ein lichter, freundlicher Ort in den Räumlichkeiten des Teutsch-Hauses, eines Kulturzentrums der evangelischen Kirche am Rand der historischen Altstadt. Aus den Lautsprechern tönt Musik von Element of Crime und der kölschen BAP. In den Regalen Unmengen deutscher Bücher, viele in Rumänien hergestellt. Leckerer Kuchen. Prima Cappuccino.
 
Keine Bank in Deutschland hätte Kielhorn das Geld gegeben, sich mit zwei »eher ertragsschwachen« Geschäften selbständig zu machen. In Rumänien sind Häuser, Handwerker und Mitarbeiter bezahlbar. »Ich hatte das Gefühl, hier was aufbauen zu können«, sagt er. Doch es ist nicht das Geld allein. Kielhorn hat – genau wie immer mehr Aussteiger aus dem Westen – die Atmosphäre, das Lebensgefühl von Hermannstadt angezogen. Weniger Hektik, mehr Wärme zwischen den Menschen, doch dazu dieses Ernste, sogar Strenge der Sachsen. Beispiel Erziehung: Er suchte für seine Kinder »eine Schule ohne diese Kuschelpädagogik«. Wo die Lehrer noch etwas fordern und die Kinder schon im zweiten Schuljahr mit Variablen rechnen. Antiautoritäre Erziehung war hier noch nie ein Thema. Die Kinder sind artig.*

Eine Stadt, die politisch und wirtschaftlich wie ein Phönix aus der Asche auferstanden ist, die sprachlich und kulturell ihre Einzigartigkeit bewahren konnte und somit eine magische Anziehungskraft auf sprach- und kulturinteressierte Menschen aus Mitteleuropa ausübt,  scheint einem jene Worte ihres deutschen Internet-Auftritts entgegenzurufen:

Kommen Sie zurück nach Hermannstadt.
(n.u.) Name und Adresse sind der Redaktion SKD bekannt. Der  Text gibt die persönliche Ansicht des Verfassers wieder.

 

 

 

Hermannstädter Zeitung Nr. 2029/4. Mai 2007



Bestellungen online möglich

 

Hermannstadt. - Das Erasmus-Büchercafé und die Schiller-Buchhandlung sind jetzt auch im Internet verteten. Unter www.schiller.ro können Bücherfreunde ab sofort online-Bestellungen aufgeben. In Zusammenarbeit mit dem deutschen Internetportal buchkatalog.de bieten die beiden Buchhandlungen eine Bestellplattform mit integriertem Warenkorb für jedes im deutschen Großhandel lieferbare Buch. Bald gibt es auch Zugriff auf das in Rumänien hergestellte Sortiment. Neben Büchern sind Spiele, Hörbücher, Software, Videos, DVDs, Noten und Spiele zum deutschen Original-Euro-Preis bestellbar. Auch Zeitschriften-Abos sind auf Anfrage möglich. Nach Bestellung kann der Kunde die Ware in der Regel nach einer Woche in einer der beiden Buchhandlungen abholen. Bezahlt wird bei Abholungen. (DA)

 

 

 

Ein Lob von SIBIU PEOPLE für die neue SCHILLER-Buchhandlung:



The War of the Shop Signs

For almost two entire decades, the city has been plagued by the visual noise of countless ugly shop signs. Many of them are still among us:

 

Urban Spam on the Bălcescu Avenue - Sibiu Pictures

Urban Spam on the Bălcescu Avenue

 

After endless suffering, the city could bear no more: the end of the obnoxious shop signs is nigh. This is what the new ones should look like:

 

Friedrich Schiller: A Bookstore as It Should Be - Sibiu Pictures

Friedrich Schiller: A Bookstore as It Should Be

 

Admittedly, the Schiller bookstore is probably the masterpiece, however it is representative of a wider trend. — As for the small shops located in downtown courtyards, a standardized solution is being implemented for them. Not glamorous, but at least orderly, and perhaps conducive to creativity:

 

Standard Shop Signs - Sibiu Pictures

Standard Shop Signs

 

In spite of efforts, some people still don't get it. They keep craving for the shiny, the screechy and the spammy. One case has already made it to the media:

 

Sometimes a Screech Just Won't Go Away - Sibiu Pictures

 

Sometimes a Screech Just Won't Go Away

Sibiu People Märy 2007

MOE Wirtschaft in Mittel- und Osteuropa Januar 2007



DIE ZEIT, 25.01.2007 Nr. 05



Kaffeekranz und Karaoke

 

Im rumänischen Sibiu, dem ehemaligen Hermannstadt, ist alles Deutsche in Mode gekommen, auch das Neudeutsche.

 

Von Burkhard Straßmann

 

Rätsel: Wie heißt die dritte europäische Kulturhauptstadt 2007? Nummer eins ist Luxemburg, klar. Schon weniger bekannt sein dürfte das rumänische Sibiu, eine 160000-Seelen-Stadt im Herzen Transsilvaniens, wo sich Bär und Wolf gute Nacht sagen. Und hier die Nummer drei: Hermannstadt. Eine Stadt, so deutsch wie Schwarzbrot. Sie hat dieselben geografischen Koordinaten wie Sibiu, ist aber ganz anders. Wer Sibiu/Hermannstadt besuchen will, muss sich entscheiden: Sage ich, wie es der Reiseführer empfiehlt, »Buna ziua«? Oder versuche ich es mit »Grüß Gott!«? Beides ist möglich. Beides hat Konsequenzen.

 

Sibiu. Aufgegebene Fabriken bilden den äußeren Ring um die Stadt. Dann bröckelnde Plattenbauten. Schäbige Grünflecken. Kaputte Straßen. Alte Villen, die ihre besseren Zeiten vor dem Kommunismus hatten. Das Hotel Continental, ein Betonklotz, der Stolz der schlechten Jahre. Und natürlich das rummelige Warenhaus Dumbrava, wo man viel Kitsch und ostasiatische Containerware einkaufen kann. Es ist in Sibiu wie überall in Rumänien: Die Schönheiten, den Reiz der Städte muss man sich hart erkämpfen. Auf dem Weg dahin sind alle Bürgersteige komplett zugeparkt; um Absätze und Knöchel muss man sich auf dem löchrigen Trottoir Sorgen machen. Doch dann steht man in der Strada Nicolae Bălcescu, und siehe: Es ist eine Fußgängerzone! Geputzt, gepflastert, angepinselt, trendige Cafés, Raiffeisenbank, Schuhläden. Wie Krefeld, nur Schlecker fehlt. Grüß Gott, Hermannstadt!

 

Hermannstadt hatte Glück. Weil bei deutschen Firmen die deutsche Vorgeschichte des Ortes Vertrauen schuf, begannen sie hier früher als in anderen Teilen Landes zu investieren. Schon am Ortseingang, im Gewerbegebiet, winkt der hannoversche Reifenbäcker Continental mit seinem Logo. Rechterhand lockt der Mülheimer Discounter Plus mit seinen kleinen Preisen. Und es gibt sogar einen Bioladen. Im Hotel empfängt man den Gast auf Deutsch, im Badezimmer findet er eine Seife von Palmolive und Head&Shoulders-Shampoo.

»Nun komm, der Heiden Heiland!« Gottesdienst in der evangelischen Stadtpfarrkirche am Huetplatz, der nahe der alten Stadtmauer liegt. Über den Köpfen der Gläubigen, in gotischer Höhe, zischt die Gasheizung. Das bürgerliche Hermannstadt singt und betet. Nicht anders als in Bremen oder Lüneburg. Erstaunlich ist nur, wie voll die Kirche ist. Dass Jugendliche mitbeten. Und wie brav die Kinder sind.

 

Pfarrer Hans-Georg Junesch predigt von denen, »die gegangen sind«, und er meint nicht die Toten, sondern die Emigrierten, die Heerscharen von Deutschrumänen, die ihr Land nach der Wende verließen. Er redet von »uns, den Gebliebenen«, vom Unrecht in fünfzig Jahren Kommunismus. Und vom Neubeginn, der Hoffnung, die einst Johannes der Täufer verbreitete. Heute gebe es wieder einen Hoffnungsträger, diesmal einen »Johannis«, von dem das Volk Gerechtigkeit erwarte.

 

Johannis – das ist der deutsche Bürgermeister. Klaus Johannis gilt in Sibiu/Hermannstadt als Lichtgestalt. Der mit einer Rumänin verheiratete Deutsche wurde 2000 Bürgermeister und bekam 2004 sogar sensationelle 88,7 Prozent der Stimmen. Die rumänische Mehrheit hat damals gezielt einen Saubermann gewählt, mit dem Ruf, gründlich, zuverlässig und unbestechlich zu sein. In die eigenen Politiker setzten die Leute keine Hoffnung mehr: Der Sachs’ sollte es richten. Es ist fast nicht zu glauben. Der Mann lockte deutsche Investoren und europäische Fördergelder an. Schrittweise wurden die gesamte Trinkwasserversorgung und die Kanalisation erneuert, teils hat man noch Holzrohre ausgegraben! Die ersten Häuser haben – ein rumänisches Wunder – einen Stromanschluss mit Schutzerde. Demnächst soll es eine Umgehungsstraße geben. Und: Man kann den Taxifahrern trauen!

 

Wie weich Pfarrer Junesch das »r« rollt: Daran erkennt man den »Sachsen«. Sachsen – mit scharfem »S« am Anfang – werden aus unerforschlichen Gründen alle Deutschen gerufen, die im Laufe der Jahrhunderte von sonstwoher nach Transsilvanien/Siebenbürgen kamen, aus Sachsen jedenfalls nicht. Eher aus Luxemburg, was ein wenig die Koppelung der Kulturhauptstädte Luxemburg und Sibiu erklärt. Es gibt immer noch »Sachsen«, die sich mit Luxemburgern in einem dem Moselfränkischen ähnelnden Dialekt unterhalten können. Was sie aber alle können: Deutsch, ein wunderliches, altväterliches Deutsch, in dem es um »Brotverdienen« und »Geradstehen« geht und sämtliche Anglizismen fehlen. Ungefähr so sprach man im Westen zu Adenauers Zeiten, als sich Frauen noch zum »Kränzchen« trafen.

 

Der Gottesdienst ist zu Ende, man flaniert. Flanieren? Durch die Straßen streifen, ohne Angst, Zeit zu verlieren? Dazu muss man vergessen können, dass man in einem der ärmsten Länder Europas unterwegs ist, wo Lehrer 200 Euro im Monat verdienen und Alte im Winter die komplette Rente verheizen. Die perfekten Fassaden von Hermannstadt machen es dem Besucher leicht, die Armut zu übersehen.

 

Die Dächer haben mandelförmige Augen, eine hiesige Eigenart

 

Großer Ring sagen die Sachsen zum Hauptplatz. Üppig dimensioniert, erinnert die Piața mare mit ihrem fröhlichen Stilmix, mit den bunten barocken oder klassizistischen Fassaden an die Innenstadt kleiner Städte in der Pfalz oder in Franken. Nur dass von den Dächern Fenster herabschauen wie mandelförmige Augen, eine hiesige Eigenart. Der alte Stadtkern ist erfreulich zurückhaltend mit Reklame und schrillen Schaufenstern. Hier wohnt und residiert wieder, wer Rang und Namen hat und sich die deftigen Mieten leisten kann: der Bürgermeister, der Bischof, die Sachsenpartei Demokratisches Forum der Deutschen. Jedes Haus hat eine Geschichte. So erinnert das Barockpalais des Gouverneurs von Siebenbürgen, Samuel Brukenthal, an die Zeit, da Maria Theresias Arm bis hierhin reichte. Heute beherbergt es eine der besten Kunstsammlungen Südosteuropas, mit Bildern van Dyks, Rubens’, Cranachs, Rembrandts.

 

Geld, weltliche Macht, Kirche: Das war in Hermannstadt immer sächsisch, bis ins 20. Jahrhundert. Um 1900 war die Hermannstädter Bevölkerung noch zur Hälfte deutsch, und die Deutschen wohnten im Inneren der Stadt in den schönen historischen Häusern. Rumänen, Ungarn und Roma siedelten außerhalb und eingeschossig. Die Siebenbürger Sachsen, die sich hier jahrhundertelang wie die Herrenmenschen aufführen konnten, waren in den dreißiger Jahren dann anfällig für Naziparolen. Nahezu geschlossen gliederten sie sich im Zweiten Weltkrieg den Verbänden der Waffen-SS ein. Ihr Sturz nach 1945 war tief und schmerzhaft. Enteignung, Verschleppung in die Sowjetunion, Verfolgung durch die Securitate, die rumänische Stasi. 1971 wurden die deutschen Bezeichnungen für Orte und Straßen verboten.

 

Der Exodus der Sachsen begann, als die Bundesrepublik in den sechziger Jahren ihre Verwandtschaft herauszukaufen begann, und erlebte seinen Höhepunkt nach der Wende, die in Rumänien auch »Revolution« genannt wird. Heute leben in Hermannstadt nur noch etwa 2000 Sachsen. Das gesellschaftliche Ansehen in Sibiu gewinnen sie gerade erst wieder zurück.

 

Zum Rand der historischen Innenstadt hin werden die Häuser schlichter. Doch auch hier läuft man an den typisch sächsischen Häuserfronten entlang. Mit schweren Holztoren sind die Innenhöfe gegen das womöglich feindliche Außen versperrt. Geht das Tor auf, kann man dort auf kleine Idyllen stoßen, blumige Höfe, bei schönem Wetter bestuhlt, sogar über flatternde Wäsche freut sich das Auge.

 

Durch eines dieser Tore findet man, in der Strada Tipografilor, zur Hermannstädter Zeitung, der deutschsprachigen Wochenzeitung Sibius. In der Redaktion wird gerade diskutiert, ob man das Wort Brainstorming in die Zeitung schreiben darf. Die Leserschaft ist sensibel, was Sprachimporte angeht. »Meist übersetze ich das«, sagt Beatrice Ungar. Die Chefredakteurin ist eine untypische Deutsche: Als Tochter eines Sachsen und einer Ungarin war sie schon als Kind, wie sie sagt, »exkommuniziert«. Die sächsische Gesellschaft hatte sich über die Jahrhunderte nur durch rigide Abschottung erhalten können; wer gegen ihre Gesetze verstieß – und Mischehe war eins der schlimmsten Vergehen –, wurde ausgestoßen. Warum ist Frau Ungar noch da? Vor 1990 wollte sie sich von der bundesdeutschen Regierung »nicht abkaufen lassen«. Und danach war es viel zu spannend in Rumänien. Früher musste sie seitenlang Ceauşescu im O-Ton drucken. Jetzt will sie »die Pressefreiheit auskosten«.

 

Ihr Kollege schreibt soeben die Witze für die neue Ausgabe auf. Zwei Schneeflocken treffen sich. Fragt die eine: »Wohin fliegst du?« – »Nach Bayern zum Wintersport, und du?« – »Nach Rumänien, ein schönes Verkehrschaos verursachen!« Das Blatt berichtet, von der Hämorrhoidenoperation bis zur großen Politik, über fast alles. Doch die Hälfte der Druckauflage wird mittlerweile ins Ausland verschickt, an die Auswanderer, die sich vor allem erst für lokale Histörchen und Diskussionen interessieren. Außerdem ist die Redaktion der HZ einer der Treffpunkte der Deutschen in Hermannstadt. Auch Touristen gehen hier ein und aus. Tipps bekommt man immer, und vielleicht tritt der deutsche Generalkonsul Jörg Schulz zur Tür herein, dann ein Künstler, der bei der Kulturhauptstadt mitmischt, man kommt ins Gespräch, und schließlich gehen alle essen. Nur: Wohin? Nach Hermannstadt? Nach Sibiu?

 

Im Sibiul Vechi locken die Klassiker der transsilvanischen Küche, Ciorbă de burtă, Sărmale und Mămăligă. Kuttelsuppe, Krautwickel und Maisbrei. Am ehesten verdaulich mit dem Nationalschnaps Ţuica. Oder lieber international? Auffallend viele Italiener haben sich im Ort angesiedelt. Oder doch Sauerbraten und Königsberger Klopse? Es ist schon keine Überraschung mehr, dass sich in Hermannstadt auch eine deutsche Küche findet: der Weinkeller an der Sagstiege, die vom Kleinen Ring in die Unterstadt führt. Das Lokal gehört einem deutschen Entwicklungshelfer, einem »Reichsdeutschen«, wie man die Bundesdeutschen hier oft noch nennt. Und wenn es für die kleine deutsche Insel im EU-Beitrittsland Rumänien eine Hoffnung gibt, dann kommt sie von den »Reichsdeutschen«. Die Zahl der zurückkehrenden Sachsen ist gering. Aber es gibt die eingeflogenen Mitarbeiter deutscher Firmen, denen es hier behagt. Und die Pioniere. Die Neusiedler.

 

Antiautoritäre Erziehung war hier noch nie ein Thema

 

So einer ist Jens Kielhorn. Kielhorn kommt aus Bonn, wo er als Betriebsleiter einer privaten Eisenbahngesellschaft tätig war. Nun sitzt er mit seiner rumänischen Frau und zwei Kindern in Hermannstadt und betreibt das Büchercafé Erasmus und demnächst die neue Schiller-Buchhandlung. Das Café ist ein lichter, freundlicher Ort in den Räumlichkeiten des Teutsch-Hauses, eines Kulturzentrums der evangelischen Kirche am Rand der historischen Altstadt. Aus den Lautsprechern tönt Musik von Element of Crime und der kölschen BAP. In den Regalen Unmengen deutscher Bücher, viele in Rumänien hergestellt. Leckerer Kuchen. Prima Cappuccino.

 

Keine Bank in Deutschland hätte Kielhorn das Geld gegeben, sich mit zwei »eher ertragsschwachen« Geschäften selbstständig zu machen. In Rumänien sind Häuser, Handwerker und Mitarbeiter bezahlbar. »Ich hatte das Gefühl, hier was aufbauen zu können«, sagt er. Doch es ist nicht das Geld allein. Kielhorn hat – genau wie immer mehr Aussteiger aus dem Westen – die Atmosphäre, das Lebensgefühl von Hermannstadt angezogen. Weniger Hektik, mehr Wärme zwischen den Menschen, doch dazu dieses Ernste, sogar Strenge der Sachsen. Beispiel Erziehung: Er suchte für seine Kinder »eine Schule ohne diese Kuschelpädagogik«. Wo die Lehrer noch etwas fordern und die Kinder schon im zweiten Schuljahr mit Variablen rechnen. Antiautoritäre Erziehung war hier noch nie ein Thema. Die Kinder sind artig.

 

So wachsen brave Hermannstädter heran, die in Bonn geboren wurden. Doch was passiert, wenn Hermannstadt trotzdem und trotz EU und Kulturhauptstadt und deutschen Bürgermeisters nicht lebendig bleibt? Dann kommt Folklore. In der Art der typisch deutschen Gaststätte Gasthof. In diesem Lokal in Uni-Nähe hat der rumänische Chef ein deutsches Spezialitätenrestaurant eröffnet: Beck’s Bier, Kaiserschmarren und Schlemmerplatte. Die Portion besteht aus einer Schweinshaxe, einem halben Hähnchen, Würsten und Speck. Ach ja, und abends ab acht Karaoke.

 

INFORMATION

 

Anreise: Tarom fliegt täglich von München nach Sibiu, Carpatair täglich außer sonntags ab Düsseldorf

 

Unterkunft: Schlicht, sauber, nett und preiswert in der hotelähnlichen Pension Casa Luxemburg, Piaţa Mică nr. 16, Sibiu, Tel. 0040-269/216854, www.casaluxemburg.ro. DZ 57 Euro

 

Essen: Deutsch im historischen Zentrum: Weinkeller, Sagstiege/Strada Turnului 2; Rumänisch mit Krautwickel, Maisbrei und saurer Rindsuppe: Sibiul Vechi, Strada Papiu Ilarian 3; deutsche Küche vom rumänischen Patron: Gasthaus, Strada Dr. Ion Ratiu 7

 

Literatur: Anselm Roth: »Stadtführer Hermannstadt/Sibiu«; Hora Verlag, Sibiu/Hermannstadt 2006; 11,80 €. Zu beziehen über den Verlag, Tel. 0040-269/211839

 

Kulturhauptstadt-Events: 7. bis 13. Mai: 37. Jazzfestival Sibiu/Hermannstadt (http://www.jazzfestival.rdslink.ro), vollständiges Programm und weitere Veranstaltungen unter www.sibiu2007.ro

 

© DIE ZEIT, 25.01.2007 Nr. 05

Maria Haydl: Und wonn hie dennich kitt" von Wolfgang Fuchs (Kopie 1)



Ein Buch für sächsische Laienspielgruppen


Vor kurzem wurde im Teutschhaus der Sammelband „Und wonn hie dennich kitt ……“ (Und wenn er doch noch kommt) vorgestellt. Die Autorin, die Mundartschriftstellerin Maria Haydl (1910 Arbegen/Ag‚rbiciu im Weißbachtal geboren - 1969 in Hermannstadt gestorben) lernte schon in ihrer Heimatgemeinde durch ihren kulturbegeisterten Vater u. a. das Theaterspielen kennen und lieben.

Im Vorwort zu dem 2006 in Hermannstadt herausgegebenen 349 Seiten starken Buch wird der Werdegang der in Arbegen geborenen Maria Haydl, die in der Gymnalsialzeit im Hermannstädter Diasporaheim wohnte, geschildert. Während des Mathematikstudiums in Klausenburg lernte Maria ihren zukünftigen Mann Walter Hatzack kennen. Die Hatzacks hatten eine Buchhandlung.

Sohn Uwe Hatzack brachte gemeinsam mit seinen Geschwistern Idmar Hatzack, Waltrun Maier und Heidemarie Zeck den Nachlaß seiner Mutter Maria Haydl zur Veröffentlichung. Anstoß dazu gab die Premiere der Inszenierung des Stücks „Versäck deng Gläck“ von Maria Haydl, die am 6. April 2003 in Gerestried stattgefunden hat und zu der die Familie der Mundartautorin von Johann Depner eingeladen worden war. Depner hatte das Stück als Buch auf dem Flohmarkt in Schäßburg erstanden. Mit Unterstützung von Dr. Sigrid Haldenwang, Anneliese Thudt, Ortwin Maier, Prof. Dr. Gerhard Konnerth und Pfarrer Walther Gottfried Seidner kam dann dieses Buch zustande.

In dem Band kommt eine für die Siebenbürger Sachsen allgemein gültige Lebensphilosophie zur Sprache.

Auch die Poesie kommt zu Wort. 1968 schreibt Maria Haydl:„Auf hohem Berge/du und ich /Erwachsende Birke/knospender Enzian/singender Wind“.

Im Hauptteil sind vier Laienspielstücke von Maria Haydl abgedruckt: „Und wenn er dennoch kommt“ (drei Aufzüge), „Versäck deng Gläck“ (Volksstück in sechs Bildern), usw. Diese sächsische Volkskunst gelte es zu erhalten, meinen die Herausgeber. Und so viel Mundartsprecher gibt es bestimmt noch, daß sowohl die Rollen besetzt werden können, als auch daß der Zuschauerraum voll wird.

Der Sammelband „Und wonn hie dennich kitt…“ liegt in dem Erasmus-Büchercafé im Teutschhaus auf. Der Umschlag zeigt die Kirchenburg von Arbegen, eine Reproduktion eines Gemäldes von Friedrich Emil Haydl, dem Vater der Autorin. (Wolfgang FUCHS)


aus: Hermannstädter Zeitung Nr. 2013/12. Januar 2007

Artikel ADZ und HZ zur Eröffnung des SCHILLER



Artikel ADZ und HZ zur Eröffnung des ERASMUS



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reste einer parallelwelt

sibiu, 26.10.2004

in der buchhandlung "friedrich schiller" in hermannstadt liegen gedichtbände von rumäniendeutschen aus, und die architektur erinnert eher ans alpenvorland als an süd(ost)europa. leute heissen hier immer noch klein, wagner oder wittstock mit nachnamen. inzwischen kommt deutsch sogar wieder in mode. wie uns toni aus potsdam, der im hermannstädter kulturamt ein praktikum macht, abends im art cafe erzählt, gebe es einen richtigen run auf deutschkurse. im hintergrund läuft dabei miles davis' "doo bop". nostalgie ist überflüssig: siebenbürgen war gestern, europa ist heute. -nbo