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Wildtiere - Vorbilder für Gemeinschaft und Zusammenhalt von Georg Gellert

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Kategorie: Bücher
Seiten / Format: 216 S
Erscheinungsjahr: 2024
Verlag: Kinzel
Sprache: Deutsch
ISBN: 9783955441845
Auflage / Bände: 1. Auflage

3. Tierische BeziehungenAls Syevertsoff in der russischen Steppe einst Seeadler beobachtete, fiel ihm ein Exemplar auf, das seit einer halben Stunde hoch am Himmelüber ihm seine Kreise zog, als dieser Seeadler plötzlich einen scharfen Pfiff ausstieß. Dieser Pfiff wurde von einem zweiten Artgenossen wiederholt, der sich dann dem ersten näherte. Dem zweiten Seeadler folgten weitere acht Individuen, so dass schließlich zehn Tiere zusammenkamen, die bald gemeinsam in eine Richtung verschwanden. Am Nachmittag ging der Vogelforscher in die Richtung, in die er die Seeadler hat fliegen gesehen. Als er sie wiedersah, entdeckte er, dass sie sich um einen Pferdekadaver versammelt hatten. Wie als feste Regel, begannen die ältesten Vögel mit der Mahlzeit, gefolgt von den Jüngeren, während die Älteren derweil Wache hielten. Syevertsoff folgte daraus, dass Seeadler sich zur Jagd zusammenschließen. Wenn sie hoch genug fliegen und eine Formation von etwa zehn Individuen erreichen, können sie optisch eine Bodenfläche von mindestens 30 km2 abdecken. Undsobald einer etwas Interessantes entdeckt hat, gibt er sofort eine Meldung an die anderen ab.Aus den unzähligen Jagdgesellschaften vieler Vogelarten sticht die Fischfangmethode der Pelikane heraus. Sie wird besonders intelligent von diesen schwerfällig aussehenden Vögeln ausgeführt. Nachdem siedafür eine geeignete Stelle in einem Gewässer gefunden haben, bilden sie zunächst zum Ufer hin einen großen Halbkreis, den sie dann paddelnd verkleinern und dabei alle Fische aus dem Wasser fangen, die sich darin befinden. In kleineren Flüssen teilen sie sich in 2 Gruppen auf, die jeweils einen Halbkreis bilden und sich dann im Wasser in der gleichen Geschwindigkeit aufeinander zubewegen und dabei alles herausfangen, was geht. Wenn die Nacht kommt, fliegen sie wieder zu ihren Ruheplätzen, immer zum gleichen Schwarm. Und noch nie hat jemand einen Kampf beobachtet, wenn es um die Schlafplätze ging. Großartige tierische Beziehungen!Nehmen wir zum Beispiel eine Gruppe von weißen Kakadus in den australischen Wäldern: Bevor sie starten, um ein Kornfeld zu plündern, senden sie eine Aufklärungstruppe aus, die die höchsten Bäume der Umgebung besetzen, während sich andere als Relaisstationen auf Bäumen niederlassen, die sich zwischen dem Kornfeld und dem Wald (Ausgangspunkt) befinden, sozusagen zur Nachrichtenweiterleitung. Wenn die Nachricht"alles in Ordnung"lautet, teilt sich eine Anzahl von Kakadus vom Großteil des Schwarmes ab und fliegt dann zu Bäumen, die dem Kornfeld am nächsten stehen. Auch sie überprüfen nochmals die Nachbarschaft für eine ganze Weile und erst dann geben sie"grünes Licht"für den allgemeinen Vorstoß und das Getreidefeld wird null Komma nichts leergeplündert. Die australischen Siedler haben die größten Probleme, die Sorgfalt dieser Vögel zu überlisten. Gelingt es ihnen mit allen möglichen Waffen einige Kakadus zu töten, werden sie noch umsichtiger, so dass sievon da an alle Kriegslisten ad absurdum führen. Es führt kein Weg daran vorbei, dass es die Lebenserfahrung in Gesellschaften ist, die es den Kakadus ermöglichen, eine fast menschliche Intelligenz zu erlangen. Moral: Moral und Gerechtigkeit sind zwei Seiten einer Medaille, was die Gemeinschaft und den Zusammenhalt anbetreffen. Ohne diese Bausteine funktionieren sie nicht. Moral hat mit Werten zu tun, wohingegen die Gerechtigkeit mehr damit zu tun hat festzustellen, wem was (gerechterweise) zusteht? Nachfolgend nun ein leuchtendes tierisches Beispiel über moralisches Verhalten: Während eines Laborversuches konnten Makaken in Käfigen nur zu Futter gelangen, wenn sie zuvor an einer schmalen Kette zogen, um einen kleinen Behälter mit Futter zu sich zu ziehen. Aber das Besondere an diesem Versuch war folgendes: 1) es waren zwei nebeneinander liegende Käfige, die jeweils mit einem Affen belegt waren; 2) nur in einem der beiden Käfige war die Möglichkeit gegeben, über einen Zug an der Kette zu Futter zu gelangen; 3) zwischen beiden KZum Buch: Wer sich mit Wildtieren etwas auskennt, der ahnt, wie schwer ihr Alltag oft ist. Hunger, Durst, Kälte, Hitze, Krankheiten, Parasiten, Verletzungen, Umweltzerstörung und der Konkurrenzdruck untereinander machen ihnen täglich schwer zu schaffen. Hinzu kommt noch das Ausleseprinzip nach der Evolutionstheorie von Darwin"Fressen oder gefressen werden". Trifft Letzteres aber tatsächlich so zu? Genaue Beobachtungen von Wissenschaftlern kommen in der heutigen Zeit zu einem anderen Ergebnis. Nicht nur innerhalb einer Art wird gegenseitig Unterstützung angeboten, sondern auch zwischen verschiedenen Arten, unabhängig davon, ob es sich um Insekten, Fische oder um Schimpansen handelt. Darwin lag also mit seiner These glücklicherweise etwas daneben. Hinzu kommt noch, dass Individuen einer Wildtierart sich aus niederen oder geistesgestörten Motiven nicht gleich umbringen. So erscheint das Leben in der Wildnis wieder erträglicher. Wo steht hier eigentlich der Mensch? Hiergibt es viel Licht und Schatten. Im Licht steht ein ausgefeiltes Wohlfahrtssystem, aber im Dunkeln stehen die ständigen Kriegsszenarien irgendwo auf der Welt und der scharfe Gegensatz zwischen Armut und Reichtum. Den größten Schatten auf uns wirft die menschliche Gier, die in der Wildtierwelt weitgehend unbekannt ist, aber uns alle (Mensch und Tier) auf diesem wunderschönen Planeten in den Abgrund reißen wird. Vielleicht gelingt es uns Menschen gerade noch rechtzeitig unsere Arroganz abzulegen und die Vorbildfunktion der noch intakt vorhandenen Wildnis zu entdecken. Als Krone der Schöpfung kann der Mensch erst betrachtet werden, wenn es der ganzen Welt2DEZum Autor: Dr. Georg Gellert, geboren 1949, absolvierte zunächst das Studium der Agrarwissenschaften in Bonn, dann folgte die Hinwendung zur Ökologie. Bis zur Erreichung der Altersgrenze arbeitete er in verschiedenen Landesbehörden von NRW auf dem Gebiet der Wasserwirtschaft. Jetzt wirkt er in Naturschutzorganisationen mit, um dieses Thema stärker in die Politik zu tragen. Er veröffentlichte zahlreiche Arbeiten zu den Themen"Sch